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Jause/Jour - Tee, Kaffee, Schokolade

„Das einfache Vesperbrot, in Österreich Jause genannt, besteht gewöhnlich in Tee, Kakao oder Schokolade. Man gibt entweder nur Weißbrot oder auch Butter und Honig oder Obst dazu. Bei festlichen Anlässen, wie Kindstaufen u.s.w., oder bei größeren Damenkaffees oder -tees ist es üblich, nach dem Kaffee feines Backwerk und Torten, Gesulztes oder Gefrorenes und zum Schlusse süßen Wein (Ausbruch oder Schaumwein) oder Liköre zu geben“, schrieb Katharina Prato in ihrer Süddeutschen Küche (Ausgabe 1921). Man konnte seine Jause aber auch in Wiener Kaffeehäusern oder bei den Zuckerbäckern einnehmen, deren Angebote sich im Lauf der Zeit immer mehr einander anglichen.

Jause für Damen und für Herren
„Die Jause (franz. le goûter, engl. afternoon tea) besteht bei uns wie auch in Frankreich, in Familien- und Damengesellschaften aus Kaffee, Tee, Schokolade, Gefrorenem etc., meist mit Zugaben von feinerem Backwerk, mitunter auch von Obst (häufig Erdbeeren mit Obers oder Obersschaum u.dgl.), in Herrengesellschaften dagegen aus kaltem Fleisch, Käse, belegten Broten, Sandwiches u. dgl., wozu man sowohl Bier als auch Wein trinkt. In England wird zur Jause ausschließlich Tee serviert, zu welchem außer Cakes [Kekse] meist mit Butter oder Pasten bestrichene Brotschnitten und Marmeladen gegeben werden. An diesen Nachmittagstee ... ist der Engländer derart gewöhnt, daß er ihn auch in der Fremde nicht missen will.“ Dies schrieb Adolf Heß 1912 in seiner Servierkunde. Er gab dem englischen Tee so viel Raum, weil er sich in den Salons der ersten und zweiten Wiener Gesellschaft durchsetzte, obwohl sich interessanterweise die Menus der Hauptmahlzeiten dieser Gesellschaftsschicht eher nach der französischen Küche richteten. Der Wiener Bürger verzehrte nach wie vor seine Jause nach der althergebrachten Art – mit eher trockenen Beigaben zum Kaffee, der zum Jausengetränk par excellence wurde.

Neben dem, was man sich noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Kaffee eintunkte – wie Kipfel und Semmeln –, entwickelten sich Kaffeetorten, Linzer Torte, Nuss- und Mohnbeugel, Biskuitrouladen, diverse Obstkuchen (Kirschen, Ribisel, Zwetschken) und Plundergebäck zu den Favoriten zur Jause. Aber auch süßes Teegebäck war sehr beliebt, wie beispielsweise Vanillekipferln, mürbe Bäckerei, diverse Busserln (Anis, Schokolade, Kokos) und Mandelbäckereien. Allerdings sind diese Beigaben zur Jause heute eher nur mehr mit dem Begriff Weihnachtsbäckerei verbunden, da sie nur zu dieser Zeit zu Hause bzw. in den Zuckerbäckereien hergestellt werden.

Der „Jour“ in der „ersten“ und „zweiten“ Wiener Gesellschaft
Als erste Wiener Gesellschaft wurden die Adeligen bezeichnet. Ab Ende des 18. Jahrhunderts gesellte sich die sogenannte zweite Gesellschaft dazu, die sich aus reichen jüdischen Bankiers und Handelsleuten zusammensetzte; später kamen noch die – manchmal geadelten – Industriellen und Großbürger hinzu. Die Damen des Hauses luden ein oder zwei Mal pro Woche am Nachmittag gebildete, bekannte Persönlichkeiten aus den eigenen Kreisen oder aus dem Künstlermilieu ein. Dabei gab es immer einen Imbiss, der aus süßen und pikanten kleinen Speisen bestand. Für die pikanten Speisen erzeugten die Wiener Bäcker das sogenannte Jourgebäck, das viel kleiner als gewöhnliches Gebäck war; Semmeln, Salzstangerln, Bosniaken, kleine Salzbrioche (zur Gansleber), Mohnstriezel etc. waren die Jourfavoriten. Meist gab es an diesen Nachmittagen Tee, serviert wurden aber auch andere Getränke. Der Name Jour bürgerte sich ein, weil diese Treffen immer an denselben Wochentagen stattfanden.

Gugelhupf

Wiener (Faschings) Krapfen

Wiener Strudel

Wiener Torten