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Weingartenpfirsich

Im Weingartenpfirsich verbinden sich zwei Geschichten auf spannende Art und Weise: die des Pfirsichs und jene der Rebe. Ob Klima, Boden oder Lage: Was dem einen gut tut, kommt auch dem anderen entgegen. Während der Weingarten eines der ältesten Elemente der europäischen Kulturlandschaft darstellt, ist der Pfirsich in Europa eine relativ junge Frucht. Ihr gemeinsames Auftreten schuf jene besonderen Pfirsichselektionen, die inmitten von Rebpflanzungen optimal gedeihen. Zudem prägt die nachbarschaftliche Beziehung der beiden in den Rebgärten einzigartig und abwechslungsreich das wunderschöne Landschaftsbild vieler Weinregionen Österreichs.

Kongeniale Partner

Die Geschichte des Pfirsichs als Nutz- und Kulturpflanze beginnt im Fernen Osten: Die frühesten Anbauversuche sind in China, wo der Pfirsich als Symbol der Unsterblichkeit gilt, für die Zeit um 2000 v. Chr. dokumentiert. Die Frucht gelangte in das Gebiet des heutigen Irans und Iraks sowie weiter nach Kleinasien. So nannten die Römer den Pfirsich Prunus persica (persische Pflaume), was seine Herkunft unterstreicht.

Im Mittelmeerraum, wo ihn die Römer heimisch machten und er gute Wachstumsvoraussetzungen fand, wird er nun seit vielen Jahrhunderten kultiviert. Zu den Reben gesellte sich der Pfirsich in den Weinbaugebieten Österreichs aber erst relativ spät, nämlich ab dem 18. Jahrhundert. So findet er in einer Weingartenordnung von 1749 Erwähnung. Darin wird zum Fastenhauen, dem ersten Behacken der Weinberge im Frühjahr, jener Zeitpunkt empfohlen, an dem „die Pferschablüa (Pfirsichblüten) dem Hauer in den Nacken rieseln".

Aufschwung brachte dem Weingartenpfirsich das 19. Jahrhundert: Aus Amerika eingeschleppte Pilzkrankheiten sowie die ab 1860 einsetzende Reblausplage verwüsteten die österreichischen Weinbaugebiete beinahe vollständig. Die indirekte Bekämpfung der Reblaus erfolgte durch die Veredelung der heimischen Weinstöcke mit reblaustoleranten Rebpflanzen. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis die Umstellung abgeschlossen war. Alternativ wurde in der Zwischenzeit der Weingartenpfirsich verstärkt gepflanzt. Das Bild eines Weingartens Anfang des 20. Jahrhunderts muss man sich recht bunt vorstellen: Die Rebstöcke standen weder in Zeilen noch waren sie angebunden. Mitten in diesem „Durcheinander" gediehen Gemüse, Gewürzpflanzen und Obst, wie etwa Pfirsiche. In Österreich sowie in fast allen Weinbauregionen Europas selektionierte man gezielt kleinfruchtige Pfirsichbaum-Sämlinge, die besonders gut an die Bedingungen im Rebberg angepasst waren.

Förderung der Biodiversität

Der Pfirsich (Prunus persica oder Amygdalus persica nach Linné, 1753) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und zur Gattung Prunus. Der Weingartenpfirsich bildete sich im Laufe der Jahre in allen Weinregionen Österreichs auf natürliche Weise heraus. Der Baum bevorzugt neben mildem Klima sandhaltige, durchlässige, tiefgründige, humose, feuchte und nahrhafte Böden mit geringem Kalkgehalt. Um gute Fruchtgröße und Fruchtqualität zu erhalten, sind ein jährlicher Rückschnitt zur Anregung der Triebkraft sowie ein Ausdünnen des reichlichen Fruchtansatzes von Hand notwendig.

Weingartenpfirsiche zeigen typische Merkmale von Landsorten, da sie nicht aus zielgerichteter Züchtung stammen. Sie hatten ursprünglich sogar Wildobstcharakter. Früher und teilweise bis heute werden sie über den Samen, also den Pfirsichkern, und nicht durch Veredelung vermehrt. Die aus Kernen wild aufgegangenen Sämlinge graben die Winzer aus und pflanzen sie an geeigneten Stellen zwischen den Reben wieder an.

Zusätzlich wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts verschiedene Edelsorten aus Europa und den USA nach Österreich eingeführt. Sie vermischten sich mit den ursprünglichen Typen und erhöhten die Sortenvielfalt. So konnte der Weingartenpfirsich eine große genetische Breite entwickeln, die es ihm ermöglichte, sich an spezifische, regionalklimatische Bedingungen optimal anzupassen. Heute gibt es frühreifende, rotbackige Weingartenpfirsiche genauso wie spätreifende, grüne Typen. In jedem Fall stellt der Weingartenpfirsich als Partner der Rebstöcke ein wichtiges Element zur Förderung der Biodiversität im Weinberg dar.

Intensiv aromatisch, leicht herb-würzig

Weingartenpfirsiche sind eher kleinwüchsig, dafür aber unempfindlicher gegen Krankheiten und Schädlinge als der normale Pfirsich. Generell weisen sie eine ausgeprägte Robustheit gegenüber Mehltau, Kräuselkrankheit, Winter- und Blütenfrost auf. Die Früchte variieren je nach Standort und Sorte in ihren Eigenschaften. Sie fühlen sich leicht pelzig an, können grün-gelb bis leicht roséfarbig sein und besitzen vielfach rot gefärbte Backen. Das saftige Fruchtfleisch ist hell-weiß bis rötlich, um den Kern herum auch stark rot.

Was die Früchte den Augen versprechen, halten sie am Gaumen: Sie schmecken intensiv aromatisch, leicht bitter bis herb, aber auch zum Teil mit würziger Note. Der Geschmack der Früchte hängt vom Wasserangebot ihres Standortes ab. Die Qualität profitiert von einer gleichbleibenden Feuchtigkeit bis kurz vor der Ernte. Optimal ist es, die Früchte zwei bis drei Tage vor der Essreife zu pflücken. Auch beim Erntezeitpunkt zeigen sie sich mit den Reben solidarisch: Sie reifen Ende August bis Anfang September – relativ spät, aber just zur Zeit der Weinlese.

Da ihr Fruchtfleisch nur leicht süß schmeckt, stellen Weingartenpfirsiche eine exzellente Erfrischung dar, werden aber überwiegend verarbeitet, weniger frisch genossen. So stellt man aus ihnen fruchtige Marmelade, feine Säfte, köstlichen Kompott und süßen Likör her oder verfeinert sie zu hochprozentigem Brand. Pikanten Chutneys geben sie süßlichen Pfiff.

Einzigartige Sortenraritäten

Beeindruckend präsentieren sich die Sortenraritäten des Weingartenpfirsichs. Der Rote Weingartenpfirsich, auch Roter Weinbergpfirsich genannt, ist eine sehr alte, eher kleine, gut steinlösende Sorte. Das rote Fleisch schmeckt intensiv würzig. Der robuste, grün-rote Weiße Weingartenpfirsich besticht mit weißem Fruchtfleisch und typischem Wildpfirsichgeschmack. Eine lokale Sorte, die aus dem Weinviertel stammt und 1995 kartiert und selektioniert wurde, ist der Eibesthaler Weingartenpfirsich. Die widerstandsfähigen Früchte sind klein mit heller Schale und weißem Fruchtfleisch. Der Geschmack hält sich eher neutral.

Der Wachauer Weingartenpfirsich wird als Pfirsich von kräftigem, aromatischem Geschmack und großer Widerstandsfähigkeit beschrieben. Die Frucht ist mittelgroß, mit rot und gelb gefärbter Schale, die leichte Behaarung aufweist. Sie hat helles, saftiges Fruchtfleisch, welches vom Kern her eine starke Rotfärbung zeigt. Die Frucht schmeckt sortentypisch intensiv mit leichtem Mandelton.

Der kräftig-aromatische Steirische Weingartenpfirsich, Typ „Innerhofer 3", stammt aus dem Hügelland der Weinregion Südweststeiermark und entstand 1960 als neue Pfirsichsorte. Sie ähnelt in Aussehen und Geschmack dem Wachauer Verwandten. Der Red Robin schließlich vertritt eine alte, bewährte Weingartenpfirsichsorte mit dunkel-rötlichem Fruchtfleisch und angenehmer Säurenote.