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Wiesenwienerwald Elsbeere

Direkt vor den Toren Wiens liegt der Wienerwald, der sich wie eine große Schleife von Klosterneuburg bis Baden zieht. An der westlichen Peripherie, wo sich der dichte Wald lichtet und eine sanfte weitläufige Wiesenlandschaft beginnt, findet man das Reich der Elsbeere. Mit ihren prächtigen großen Kronen schaffen die mächtigen Bäume ein einzigartiges Landschaftsbild. Im Wiesenwienerwald hat es heute wieder Tradition, die bis zu 200 Jahre alten Elsbeerbäume zu pflegen und zu erhalten und ihre erlesenen Früchte frisch oder getrocknet für die Herstellung verschiedener Delikatessen zu verwenden. Als eine hochgeschätzte Rarität gilt der edle Elsbeerbrand.

Elsbeerenernte – eine Mühe, die sich lohnt

Seit Generationen werden im Wiesenwienerwald die Früchte des Elsbeerbaumes geerntet und frisch oder getrocknet gegessen oder zu verschiedenen Spezialitäten verarbeitet. Doch es ist eine mühevolle Arbeit, bis man diese Beeren genießen kann. Denn sie fallen nicht ab. Nur per Hand können die wertvollen Früchte geerntet werden. Und weil Elsbeeren eine nicht nur bei Menschen beliebte Delikatesse sind, muss man auch darauf achten, dass den Pflückern keine Vögel zuvorkommen.

Mit Gurten gesichert und mit Stoffsäckchen ausgerüstet klettern sie auf langen Leitern die Bäume hinauf. Sehr vorsichtig entfernen sie die kleinen Äste mit den Früchten und Blättern, denn die Knospen des nächsten Jahres dürfen sie nicht verletzen. Damit die Beeren gleichmäßig nachreifen, werden sie an einem kühlen, trockenen Ort gelagert. Erst dann kippen die Bauern die Zweige mit den Früchten auf einen Tisch und in geduldiger Familienarbeit werden die Beeren händisch von ihren Ästen abgerebelt.

Elsbeeren haben einen hohen Gehalt an Vitamin C und besitzen viel Pektin und Frucht-säure, weshalb sie sich auch für die Herstellung von Marmelade, Mus und Kompott hervorragend eignen. Auch in der Holzwirtschaft ist das besondere Holz des Elsbeerbaumes hoch begehrt. Von jeher schätzen Tischler und Drechsler, Instrumentenmacher und Bildhauer das harte, zähe, weißgelbe Holz. Für das begehrteste aus Elsbeeren hergestellte Produkt, den Elsbeerenbrand, werden die Beeren eingemaischt und durch Wasserzugabe bei einer Temperatur um 20 °C vergoren. Der doppelt gebrannte Elsbeerenbrand wird mit destilliertem Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt. Wird der Elsbeerenbrand schließlich mindestens ein Jahr in Dunkelheit und bei mäßiger Wärme gelagert, präsentiert er sich als ausgewogener, lieblich schmeckender Edelbrand mit mandelartigem Geruch. Er ist ein ganz besonders kostbares Tröpfchen. Wer von diesem wohlschmeckenden Destillat ein Schlückchen nehmen will, sollte allerdings rasch zugreifen. Denn Elsbeerbrand oder Adlitzbeerbrand, wie er oft auch genannt wird, ist ein weit über die Grenzen hinaus begehrtes Gut, und die Nachfrage ist stets größer als das Angebot.

Die Elsbeere – die Königin der Beeren

Der Elsbeerbaum (lat. Sorbus torminalis L.) ist ein Rosengewächs und gehört zur Gattung der Mehlbeeren. Sein wissenschaftlicher Name leitet sich von den lateinischen Wörtern „sorbere", das schlürfen bedeutet, und „torminalis" – gut gegen Kolik – ab und spiegelt seine Bedeutung in der Volksmedizin wider. Übrigens ist die Elsbeere in anderen Regionen unter zahlreichen Namen vertreten: Adlitzbeere, Atlasbaum, Arisbeere, Schweizer Birnbaum oder Wilder Sperberbaum sind nur einige davon. In guten Lagen wird der Elsbeerbaum bis zu 20 Meter hoch, während er in kargen Gebirgslagen strauchartig klein bleibt.

Der Baum trägt erst nach einigen Jahren Früchte: Nur Exemplare, die älter als zwölf Jahre sind, bilden im Frühling, etwa von Mai bis Juni, weiße rispenförmige Blüten, aus denen sich ca. fünf bis 15 Beeren pro Dolde entwickeln. Die Beerenfrüchte werden im Herbst reif, in der Zeit von September bis Oktober. Die etwa daumennagelgroßen, runden bis ovalen Beeren sind rötlichgelb und färben sich mit der Vollfreife rötlichbraun. Durch Frosteinwirkung werden die anfangs noch harten Beeren teigig und ihr Tanningehalt sinkt. Deshalb sollten die Beeren möglichst erst nach dem ersten Frost geerntet werden. Sie schmecken leicht säuerlich und entfalten mit zunehmender Reife schließlich einen mandel-marzipan-ähnlichen, sandig-mehligen Geschmack.

In der Volksmedizin schon früh

Der Elsbeerbaum findet sich schon seit Jahrtausenden in den Laubwäldern Mitteleuropas bis hin zum Kaukasus. Auch den alten Römern war er wohlbekannt. Im Mittelalter wurde die Elsbeere auf Märkten angeboten und in der Volksmedizin wurde sie gern wegen ihrer Wirkung gegen langwierige Verdauungsstörungen eingesetzt. Wahrscheinlich leitet sich von daher einer der vielen Namen dieser besonderen Beere ab: Ruhrbirne. Die älteste bekannte Erwähnung als Elsbeere stammt übrigens vom Reformator Martin Luther (1483–1546), der sie zur Behandlung seiner kranken Frau Katharina anforderte.

Man schätzt, dass es im Wiesenwienerwald heute noch an die 300–400 Elsbeerbäume mit einem beachtlichen Alter von bis zu 200 Jahren gibt. Um die prachtvolle Landschaft des Wiesenwienerwaldes zu schützen und zu fördern, wurde 2007 ein Verein zur Erhaltung, Pflege und Vermarktung der Elsbeere gegründet. Mitglieder des Vereins haben sich zum Ziel gesetzt, für die besondere Beere mehr Aufmerksamkeit zu erreichen. Sie erhalten und pflegen nicht nur die alten Bäume, sondern pflanzen auch neue und haben Teile des Wiesenwienerwaldes zum Elsbeerreich ausgerufen.

Der Wiesenwienerwald – das Elsbeerreich

„Die grüne Lunge Wiens" nennen die Wiener ihren Wienerwald gerne. Das beliebte Naherholungsgebiet wird von seiner höchsten Erhebung, dem Schöpfl (893 m), in zwei ganz unterschiedliche Landschaften geteilt. Während sich in Richtung Wien ein dichter, geschlossener Wald erstreckt, findet sich auf der anderen Seite des Schöpfls eine weitläufige, sanfte Landschaft: der Wiesenwienerwald. Hier wurde der Wald schon im frühen Mittelalter von Bauern gerodet. Eine abwechslungsreiche Gegend mit saftigen Wiesen, fruchtbaren Äckern und Weiden sowie kleineren Waldflächen entstand. Ein besonders beeindruckendes Naturerlebnis bieten hier die sommergrünen Elsbeerbäume. Im sanften Hügelland des Elsbeerenreichs wachsen sie freistehend auf Wiesen oder Feldrainen, seltener am Waldrand und prägen damit die malerische Kulturlandschaft. Die schweren, tiefgründigen Böden und das milde, feuchte Klima mit vielen warmen Sonnenstunden lassen die Wiesenwienerwald Elsbeere hier gut gedeihen und ihr einzigartiges Aroma ausbilden.