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Laaer Zwiebel

Der Zwiebelanbau ist im niederösterreichischen „Land um Laa" seit Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Die Laaer Zwiebeln zeichnen sich durch ihre genetische Variabilität und ihr perfektes Anpassungsvermögen aus. Als Besonderheit gelten die lokalen alten Zwiebelsorten „Gelbe Laaer", „Rote Laaer" und „Schneeweiße Unterstinkenbrunner". Die Wichtigkeit ihrer Bewahrung und Kultivierung wird durch die Förderung als „seltene landwirtschaftliche Kulturpflanzen" im Rahmen des Österreichischen Programms zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) anerkannt.

Die Zwiebel – Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanze

Die Speisezwiebel stammt wahrscheinlich aus den Steppengebieten des west- und mittelasiatischen Raumes. Zahlreichen historischen Quellen zufolge zählt sie zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Bereits vor mehreren Jahrtausenden soll sie als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanze gedient haben, später im Mittelalter auch als Amulett gegen die Pest.

Zu den ältesten Nachweisen zählen ägyptische Grabgemälde oder Inschriften, die bis auf die Zeit um 3200 v. Chr. zurückgehen. Eine sumerische Keilschrift (um 2300 v. Chr.) enthält bereits Angaben zu Zwiebelfeldern und der babylonische Codex Hammurapi (18. Jh. v. Chr.) belegt, dass arme Bevölkerungsschichten einmal im Monat eine Ration von Brot und Zwiebeln erhielten. Im alten Ägypten, Griechenland und Rom galten Zwiebeln als Grundnahrungsmittel des einfachen und bäuerlichen Volkes. Römische Legionäre waren es, die die „cepula" schließlich nach Mitteleuropa brachten. Vom lateinischen „cepula" leitet sich, über das Mittelhochdeutsche „zwibolle", die heute gebräuchliche Bezeichnung „Zwiebel" ab.

Die Zwiebel war schon damals äußerst beliebt und ist es bis heute geblieben. Sie hat in der Küche genauso ihren festen Platz wie in der Volksmedizin. Natürlicher Zwiebelsaft ist ein altes Hausmittel bei Erkältungskrankheiten und Husten. Gegen Schmerzen bei Insektenstichen hilft das Einreiben mit einer frisch halbierten Zwiebel. Aber auch die pharmazeutische Wissenschaft ist den Heilwirkungen verschiedener Inhaltsstoffe auf der Spur. Bislang hat sie antimikrobielle, die Blutfettwerte regulierende, blutgerinnungshemmende und blutzuckersenkende Eigenschaften beschrieben.

Ihrer Beliebtheit kann auch das Enzym Alliinase nichts anhaben, das für das „Weinen“ beim Zwiebelschneiden verantwortlich ist. Das Enzym verwandelt eine schwefelhaltige Aminosäure in einen schleimhautreizenden und leicht flüchtigen Stoff, der unsere Augen zum Tränen bringt.

Qualität wird bei der Laaer Zwiebel großgeschrieben

Die Laaer Zwiebel wird der Qualitätsklasse 1 zugeordnet. Dazu müssen die Zwiebeln fest und kompakt sowie frei von Schwellungen und Wurzelresten sein. Einzig leichte Form- und Farbfehler und kleine oberflächliche Risse gelten nicht als qualitätsmindernd. Die Zwiebeln dürfen keinesfalls keimen. Erhältlich ist das schmackhafte Feldgemüse ab September bis etwa Anfang Mai. Der Verkauf erfolgt dabei entweder über Direktvermarktung in der Region oder über den österreichischen Lebensmittelhandel. Aufgrund ihrer Beliebtheit werden Laaer Zwiebeln heute auch in zahlreiche EU-Länder exportiert und stehen im Zentrum des einmal jährlich stattfindenden Zwiebelfestes in Laa/Thaya.

Wie die Zwiebel im „Viertel unterm Manhartsberg" heimisch wurde

Bevor die Laaer Zwiebel um 1850 in der Gegend um Laa nach und nach heimisch werden konnte, mussten der wilde Flussverlauf der Thaya reguliert und die sumpfigen Niederungen drainagiert werden. In einem umfangreichen Manuskript zur Geschichte der Stadt Laa aus dem Jahr 1890 würdigte der damalige Pfarrer Mathias Gregora bereits die landwirtschaftliche Bedeutung von Zwiebeln und Knoblauch in der Laaer Region. Überlieferungen zufolge sollen sie einen derart guten Ruf genossen haben, dass die lokalen Zwiebelsorte schon damals auf Märkten nachgefragt wurde.

In den 1990er Jahren fanden sich heimische Bauern zusammen und gründeten die Interessensgemeinschaft „IG Laaer Zwiebel". Ihr gemeinsames Anliegen ist, das über lange Zeit gesammelte Wissen über die Anpassungsfähigkeit und Kultivierung der Laaer Zwiebel weiterzutragen und das Erbgut der selektierten lokaltypischen Ökosorten zu erhalten. Gemeinsam setzen sie sich auch für eine umfangreiche Vermarktung ein.

Die Vielfältigkeit der Laaer Zwiebel

Über Jahrzehnte haben die Bauern kontinuierlich die Landsorten Gelber Laaer und Roter Laaer und Schneeweiße Unterstinkenbrunner kultiviert und verbessert, da in den Trockengebieten des nördlichen Weinviertels keine Bewässerung möglich war. Die Gelbe Laaer erkennt man an ihrer schönen braungelben Knolle mit hellem „Fruchtfleisch". Die violett-rote Knolle der Roten Laaer fällt durch den weißlichen Anschnitt mit rot geränderten Zwiebelschalen auf. Beide Sorten haben einen süßlich-scharfen Geschmack. Die Schneeweiße Unterstinkenbrunner bringt hingegen als weiße Zwiebel einen deutlich schärferen Geschmack mit.

Laaer Zwiebeln sind Sommerzwiebeln. Die Bauern pflügen im Herbst und eggen im Frühjahr die Zwiebeläcker. Etwa Mitte März, wenn die Böden optimal vorbereitet sind, säen sie die Samenkörner in Reihen aus. Nur etwa fünf Prozent werden dem Steckzwiebelanbau zugeschrieben. Heute werden hauptsächlich die Gelbe Laaer und zu etwa 20 Prozent die Rote Laaer angebaut. Die Kultivierung erfolgt im Rahmen des ÖPUL, das genaue Richtlinien für die Anwendung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln für den Zwiebelanbau festlegt. Die auf dem Feld ausgereiften Zwiebeln werden von August bis September von Hand geerntet, nur die Entfernung des grünen Teils erfolgt maschinell. Anschließend werden sie sortiert und in Holzkisten in kühlen, dunklen und trockenen Hallen gelagert. Vor dem Verkauf sortieren die Gemüsebauern die Zwiebeln nochmals händisch aus und verpacken sie für die Vermarktung in Säcken, die fünf, zehn oder 25 kg fassen.

Die fruchtbaren Zwiebeläcker rund um Laa

Die Gegend rund um die Stadt Laa/Thaya liegt im nördlichen Weinviertel nahe der Grenze zu Tschechien. Die landwirtschaftlich geformte Kulturlandschaft ist von lößbedeckten Hügeln geprägt, die fließend in das umliegende Flachland auslaufen. Sie wird im Westen durch den Buchberg, im Süden durch das Hollabrunner und Mistelbacher Hügelland sowie den Ernstbrunner Wald begrenzt. Im Norden an der Staatsgrenze zu Tschechien verläuft die Thaya, ein Nebenfluss der March. Ihr Name leitet sich vom illyrischen „Dujas" ab und bedeutet so viel wie rauschender Fluss.

Heute pflanzen Bauern die schmackhaften Laaer Zwiebeln vorwiegend auf den Feldern der „Laaer Bucht" und des „Thaya-Pulka-Beckens" an. Die relativ warmen und trockenen Sommer des milden pannonischen Klimas bieten zusammen mit den humusarmen, aber schwarz- und braunerdehaltigen Ackerböden ideale Bedingungen für den feldmäßigen Zwiebelanbau. Das langsame Heranwachsen des Feldgemüses im natürlichen Regenkreislauf garantiert höchste Qualität. Die Laaer Zwiebel ist dadurch fester und feinfaseriger als herkömmliche Zwiebeln, sie ist länger haltbar und ihre natürliche Reifung wirkt sich besonders positiv auf ihren feinwürzigen Geschmack aus.