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Vorarlberger Riebelmais

Früher galt der Riebelmais als lebenswichtige Ernährungsgrundlage der bäuerlichen Bevölkerung im Rheintal. Traditionell arbeitende Bauern sorgten dafür, dass die alten Landmaissorten, die den Vorarlberger Riebelmais botanisch ausmachen, bis heute erhalten geblieben sind. Denn die kleinen Feldfrüchte weisen kulinarisch großes Potenzial auf: Daher soll der ernährungsphysiologisch wertvolle Vorarlberger Riebelmais wieder einem breiteren Publikum angeboten werden. In der Gastronomie Vorarlbergs ist er bereits eine sehr gefragte Regionalspezialität für kreative Gerichte. 

Moderne Vermarktung und traditionelle Verwendung

Während geschätzte 50 Selbstversorger die Körner erst kurz vor der Verwendung in kleinen Lohn- oder Hofmühlen vermahlen lassen, transportiert man die maschinell geernteten Maiskörner einer geringen Zahl landwirtschaftlicher Betriebe zu einem Verarbeitungsunternehmen in der nahen Schweiz. Dort erfolgen Trocknung, Reinigung und Vermahlung. Die gereinigten Maiskörner werden wie früher auf Walzenstühlen oder einer Steinmühle mit Keimling, Kleie- und Mehlanteil bis zur gewünschten Feinheit vermahlen. Es entstehen Maisgrieß, Maisdunst und Maismehl, die wieder zurück nach Vorarlberg gehen.

„Echter Vorarlberger Riebelmais" wird unter der Marke „Ländle Riebel" direkt sowie über den Lebensmitteleinzelhandel vertrieben. Die Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH gibt Richtlinien für die Erzeugung von Vorarlberger Riebelmais heraus und kontrolliert ihre Einhaltung. Wichtig dabei: der regionale Anbau, der Einsatz des gesicherten Saatgutes und eine geringe Saatdichte. Über alle Arbeitsgänge und Düngemengen erfolgen sorgfältige Aufzeichnungen.

Die Spezialität aus dem Rheintal findet vorwiegend für die Herstellung von abgeröstetem Maiskoch in unterschiedlichen Variationen Verwendung. Hier wird Riebelmaisgrieß in gesalzener Milch und Wasser aufgekocht und anschließend mit Butter(-Schmalz) unter ständigem Stochern („Riebeln") abgeröstet. Danach nennt man diese einfache Maisbreispeise „Riebel“.

Der Riebel gilt als ein in Vorarlberg, Liechtenstein und der Ostschweiz geschätztes und beliebtes Gericht. Die Rezepte wurden über Generationen weitergegeben, wodurch es eine Fülle an verschiedenen Zubereitungsarten gibt. Riebel wird zum Frühstück, aber auch mittags und abends gegessen. Mit Milch oder Kaffee übergossen, wird er zum „Stopfer". Früher wurde der Riebel oft schon am Vortag gekocht und am nächsten Tag erst geröstet. Im unteren Rheintal serviert man auch den Hafaloab, einen länglich geformten Knödel, der klassisch mit Riebelmais hergestellt wird.

Eine genügsame Landmaissorte

Die Heimat des Vorarlberger Riebelmais, das gebirgige Vorarlberg, ist das westlichste Bundesland Österreichs und grenzt im Osten an Tirol, im Westen an Liechtenstein (Rhein), im Süden an die Schweiz und im Norden an Deutschland.

Seine Hauptanbaugebiete liegen im Rheintal zwischen der Landeshauptstadt Bregenz und Feldkirch auf 412 bis 500 Meter Seehöhe. Einzelne Kleinflächen finden sich auch im Walgau und den angrenzenden Hanggemeinden im Vorderen und Mittleren Bregenzerwald sowie im Leiblachtal. Der anspruchslose Riebelmais wächst generell auf den unterschiedlichsten Bodentypen, vor allem dann, wenn ausreichend Nährstoffe und Feuchtigkeit verfügbar sind. Das in der Region vorherrschende milde und niederschlagsreiche Klima mit dem charakteristischen, häufigen Föhn kommt dem Riebel sehr zugute.

Vom „Türken"

Die ältesten bekannten Maiskörner stammen aus der Zeit zwischen 5200 und 3400 v. Chr. und wurden in Südmexiko gefunden. Ende des 15. Jahrhunderts gelangte der Mais aus Mittelamerika nach Europa. Von Spanien kam er nach Venedig. Noch heute finden sich im Veneto und im Friaul alte Mais-Genotypen, insbesondere Weißmaistypen, die dem in Vorarlberg angepflanzten Riebelmais ähnlich sind. Fälschlicherweise wurde aber seine Herkunft im Osmanenreich
vermutet, weshalb der Riebelmais oft als Türgga bezeichnet wird.

Der Riebelmais scheint jedenfalls der älteste Lebensmittelmais nördlich der Alpen zu sein. Das erste Auftreten des „Türkens" im Rheintal fällt in die Mitte des 17. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert baute man ihn fast ausschließlich zum Zweck der Eigenversorgung an. Darüber hinaus galt Riebelmais auch als Tauschprodukt für Milch, Butter und Käse.

Das Jahr 1869 kennzeichnet den Höhepunkt des „Türkens" in der Landwirtschaft. Mit der Eröffnung der Arlbergbahn 1884 gelangte jedoch vermehrt Getreide aus dem Osten Österreichs und aus Ungarn durch den Arlbergtunnel nach Vorarlberg. Weizen wurde daraufhin billiger, der Brotkonsum stieg, und der Maisanbau wurde sukzessive zurückgedrängt. Ab dem 20. Jahrhundert baute man Riebelmais immer häufiger als Grün- und Silomais für Futterzwecke an.

Die letzte Blütezeit erlebte der Riebelmais in Vorarlberg nach dem Zweiten Weltkrieg, denn er lieferte auf kleinen Flächen hohe Erträge. Die Öffnung der Zonengrenzen mit dem Staatsvertrag 1955, bessere Verfügbarkeit von Getreide aus Ostösterreich, billigere Weizenimporte und das Auftauchen ertragsstärkerer, amerikanischer Hybridmaissorten verdrängten den Riebelmais jedoch für einige Zeit.

Erhaltung genetischer Ressourcen

Vorarlberger Riebelmais zählt zu den Hartmaissorten. Er besticht durch die weiße Farbe des Mehlkörpers sowie seinen typisch süßlichen Geschmack. Aus alten Sorten wie zum Beispiel Weißem Rheintaler, Weißem Vorarlberger Frühmais, Unterländer, Weißem Rheintalmais, Nenzinger Frühmais, Kematener, Weißem Vorarlberger und Gelbem Vorarlberger, die heute botanisch nicht mehr unterschieden werden, entstand schließlich der Vorarlberger Riebelmais.

Die Sicherung seiner genetischen Ressourcen erfolgt in erster Linie durch eine regelmäßige landwirtschaftliche Kultivierung. Fanden Aussaat, Düngung, Unkrautbekämpfung und Ernte über Jahrzehnte nur im gärtnerischen Maßstab auf Flächen von 20 bis 200 Quadratmeter für den Eigenbedarf händisch statt, erfolgte erst in jüngster Zeit ein mechanisiertes Anpflanzen auf Großflächen, das schrittweise ausgeweitet wird.

Deshalb startete 2005 das Projekt „Riebelmais in Vorarlberg", um die alte Landsorte botanisch zu sichern, ihren Feldbau zu forcieren und ihn als regionales Erzeugnis im Handel zu platzieren. Damit folgt man auch in Vorarlberg Bestrebungen der Schweiz, die den „Rheintaler Ribelmais" bereits im Jahr 2000 als AOC-Produkt (Produkt mit geschützter Ursprungsbezeichnung) ausweisen ließ.