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Steirischer Maschanzker

Er ist klein und gelblich, besitzt einen unverwechselbaren Geschmack und ist noch dazu ein echter Ur-Steirer. Obwohl der Steirische Maschanzker heute zu den Raritäten im heimischen Obstsortiment zählt, ist diese sogenannte „Winterapfelsorte" weithin bekannt und, ob frisch, als Saft, als Dörrobst, zu Most vergoren oder aber auch als hochprozentiges Destillat, äußerst beliebt. Auch im Apfelstrudel oder als gebackene Apfelringe macht er sich gut. Und beim köstlichen Maschanzker-Reisauflauf ist er ohnehin eine unverzichtbare Zutat. Heute wird dem Erhalt des Maschanzkers zur Bewahrung der Sortenvielfalt der steirischen Streuobstwiesen größte Aufmerksamkeit gewidmet.

Der Maschanzker – ein steirisches Urgestein

Geschichtliche Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass der Maschanzker schon vor 1841 in der Steiermark entstanden ist. Seine erste Beschreibung findet er im Jahre 1877 als Steirischer Winterborsdorfer in den Pomologischen Monatsheften. Diese Bezeichnung ist neben seinen weiteren Synonymen wie Steirischer Winter-Maschanzker, Grazer Maschanzker, Maschansker oder auch Eisapfel heute noch bekannt.

Um 1940 heißt es in der Sortenbeschreibung der Gartenbauzeitschrift „Nach der Arbeit", dass die Apfelsorte seit einer langen Reihe von Jahren in steirischen Gebieten angebaut werde. Sie sei als Handelsapfel wie auch für die Tafel sehr geschätzt und verbreitet und werde in großen Mengen versandt. Die Sorte galt bereits vor Beginn des 20. Jahrhunderts bis gegen 1960 als steirische Handels- und Exportfrucht ersten Ranges.

Von Sagen und Mythen

Zahlreiche Geheimnisse und Sagen ranken sich rund um die „verbotene" Apfelfrucht. Sie ist Symbol für Liebe und Fruchtbarkeit, bei Adam und Eva galt sie als Sinnbild der Sünde und Verführung und die Kelten verbanden mit dem Apfel ewige Jugend und immerwährende Schönheit. Zudem gilt die Apfelinsel „Avalon" (vgl. „aballo" = Apfel) in den keltischen Sagen als mystischer und heiliger Ort, an dem wundervolle Apfelbäume wachsen sollen.

Als Zeichen der Macht hielten Kaiser und Könige ein goldenes Zepter und einen vergoldeten „Reichsapfel" in Form einer Weltkugel in ihren Händen. Auch in der Medizin kam ihm stets große Bedeutung zu. So soll schon der griechische Arzt Hippokrates von Kos im 5. Jahrhundert v. Chr. den Apfel zu Heilzwecken angewandt haben und auch Hildegard von Bingen (1098–1179) erwähnt ihn als „heilende Frucht".

Und noch heute ist sein positiver Gesundheitswert aufgrund seines hohen Gehalts an Ballaststoffen, Vitamin C sowie seiner sekundären Pflanzeninhaltstoffe unumstritten. Nicht umsonst heißt es: „An apple a day keeps the doctor away!"

Eine Frucht mit Charakter

Der Maschanzker ist spätreif. Ende Oktober geerntet, erlangt er seine Genussreife Ende Dezember und hält bei guter Lagerung bis Juni. Bei seinem herrlichen Geschmack kommen Genießer voll auf ihre Kosten, denn das zarte, aber feste und feinzellige hellgelbliche Fruchtfleisch des Maschanzkers besitzt einen fein säuerlichen, edlen Geschmack. Zudem gilt der Steirische Maschanzker als sehr saftig und vitaminreich.

Das Aussehen der Sorte präsentiert sich mannigfaltig. Sie tritt als hochgebaute, flachgebaute oder aber auch kleinfruchtige Spielart in Erscheinung. Auch ihre Schalenfärbung variiert, abhängig von den regional auftretenden Temperaturschwankungen im Anbaugebiet. Meist kann der Apfel aber als klein bis mittelgroß und hochgebaut bis rundlich mit grüngelber Grundfarbe beschrieben werden. Bei zunehmender Reife geht sein Farbton in Strohgelb bis Hellgold über, seine Deckfarbe reicht von einem zarten Hellrosa bis hin zu mattem Blutrot. Erkennen lässt sich diese robuste steirische Apfelsorte auch an ihren gelblichen bis weißlichen Schalenpunkten sowie ihren sehr feinen Rostpunkten.

Die Frucht ist nicht nur für den Frischeverzehr bestens geeignet, sie besitzt auch hervorragende Mostqualität und verleiht zahlreichen Süßspeisen wie Apfelstrudel, gebackenen Apfelringen oder Äpfeln im Schlafrock durch ihre Saftigkeit und ihr besonderes Aroma das gewisse Etwas.

Steirischer Maschanzker – geschützte Spirituosenspezialität

Auch im Spirituosensortiment ist der Steirische Maschanzker als vollmundige Spezialität mit typisch leichtem Bitterton, elegantem Schalengeschmack und harmonischem Abgang zu finden.

Sortenrein wird er ohne Zuckerzusatz in der Maische hergestellt und besitzt, laut „Codex Alimentarius Austriacus", einen Alkoholgehalt von mindestens 42 Volumenprozent. Weiters kommt dem Steirischen Maschanzker als Edelbrand ein österreichischer Herkunftsschutz zu, dessen Bezeichnung nur im geografischen Gebiet Steiermark verwendet werden darf. So kann sich der Genießer sowohl auf Herkunft als auch auf Qualität verlassen.

Anbaugebiet mit langer Historie

Der Obstbau in der Steiermark kann auf eine traditionsreiche Geschichte verweisen. Die ersten nachweislichen Funde, die auf eine Obstkultur hinweisen, stammen aus der späten Hallstattzeit. Auch die Kelten, die sich in der vorchristlichen Zeit im Donauraum ansiedelten, versuchten sich ebenfalls in der Kultivierung von Obstbäumen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Obstbaues auf steirischem Gebiet, ein Dokument aus dem Benediktinerkloster Admont, stammt aus dem Jahre 1074 ein Beleg dafür, dass vor allem die Klöster darum bemüht waren, die Obstkultur zu fördern.

Insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte der Obstbau in der Steiermark wirtschaftliche Bedeutung und spielte als zusätzliches Einkommen für Landwirte eine wichtige Rolle. In der Zeit der österreichisch-ungarischen k. u. k. Monarchie zwischen 1867 und 1918 genossen steirische Äpfel bereits einen sehr guten Ruf. Sie wurden in viele Kronländer der Monarchie verkauft und sogar an den russischen Zarenhof geliefert.

Sortenreiches „Apfelland"

Heute ist das Sortenangebot in dem steirischen Gebiet, das sich aufgrund seiner für den Apfelanbau bestens geeigneten lokalen Gegebenheiten als „Apfelland" einen Namen gemacht hat, beinahe unüberschaubar. Das Sortiment erstreckt sich von alten, traditionsreichen bis hin zu neuen Sorten.

Die von Bergen und Hügelketten geprägte steirische Gegend bietet dem Steirischen Maschanzker beste Standortbedingungen. Traditionell findet man die Sorte südlich der Mur-Mürz-Furche. Aber sowohl die sonnigen freien Hügellagen im Weinklima der Südsteiermark als auch die kühleren, kalten Obstbaugebiete der Südoststeiermark kommen dem Steirischen Maschanzker entgegen. Grundvoraussetzung für seine optimale Entwicklung sind Böden mit guten Nährstoffverhältnissen, denn auf schweren Tonböden oder zu trockenen Lehmböden misslingt sein Anbau.