Nur wenn Sie die Standortermittlung aktivieren, werden die Produzenten und Spezialitätenerzeuger in Ihrer Nähe angezeigt. Andernfalls steht Ihnen die allgemeine Suchfunktion zur Verfügung.

Kärntner Hadn

Was einst als Arme-Leute-Essen galt, ist heute eine neue kulinarische Herausforderung: der Kärntner Hadn. Die Tradition dieser alten Buchweizensorte wird heute wieder hochgehalten. Fast vergessene Rezepte wurden ausgegraben und mit viel Engagement neu belebt. Zu der in Kärnten beheimateten lokalen Sorte gesellen sich auch die Sorten Billy, Bambi und Pyra, die alle als „seltene landwirtschaftliche Kulturpflanzen" im Rahmen des Österreichischen Programms zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) anerkannt sind und deren Bewahrung und Kultivierung dadurch zusätzlich gefördert wird.

Hadn war nicht immer heimisch

Buchweizen stammt ursprünglich aus Zentralasien. Von dort brachten ihn angeblich die Tataren und Sarazenen von der Mongolei über islamische Länder nach Europa. Es wird vermutet, dass Buchweizen in Österreich deshalb auch Heiden, Hadn oder Heda genannt wird. Weitere gebräuchliche Namen sind Schwarzblente, Schwarzes Welchskorn und Schwarzpolenta.

Im Mittelalter verbreitete sich der kälteempfindliche Hadn in der wärmeren südlichen Alpenregion. So fand er schließlich seinen Weg nach Kärnten, wo er anfänglich im Drautal, im Gailtal und im Jauntal in größeren Mengen angebaut wurde. Darauf verweisen urkundliche Erwähnungen aus dem Villacher Raum, die aus den Jahren 1442 und 1445 stammen. Später, um 1577, ging auch Erzherzog Karl in seiner Zehentordnung eigens auf den „Heiden" ein. Doch im 19. und 20. Jahrhundert musste in vielen traditionellen Buchweizenregionen der Hadn modernen Kulturpflanzen wie Kukuruz, Erdäpfeln und Weizen weichen.

Erst seit einigen Jahren sieht man in Kärnten wieder häufiger Hadnäcker, die es zuvor nur noch vereinzelt gab. Zu verdanken ist dies unter anderem dem Verein „Wir laden zum Had’n". Mit vereinten Kräften werden heute Anbau und Vermarktung von Hadn nachhaltig gestärkt. Denn Buchweizen weist ökologisch viele Vorteile auf und auch sein Geschmack überzeugt.

Eine anpassungsfähige Pflanze

Der Kärntner Hadn zählt zum Echten Buchweizen (Fagopyrum esculentum). Er weist heute noch deutliche Merkmale der ursprünglichen Wildpflanze auf, denn Buchweizen wurde kaum veredelt. Buchweizen ist ein Knöterichgewächs und gehört – anders als sein Name vermuten lässt – weder zu Getreide noch zu Gräsern. Vielmehr ist diese alte sogenannte Pseudogetreidesorte ein enger Verwandter von Sauerampfer und Rhabarber. Seine Bezeichnung wird zum einen auf seine Ähnlichkeit mit den dreikantigen Samen der Buche, zum anderen auf seine dem Weizen ähnlichen Verwendungsmöglichkeiten zurückgeführt.

Hadn wächst schnell, bereits zwölf Wochen nach seiner Aussaat ist er reif. Bauern säen und ernten deshalb oft zwei Mal im Jahr. Im Sommer, wenn das eher unscheinbare Knöterichgewächs blüht, verwandeln sich die Hadn-felder in ein rosa-weißes Blütenmeer. Nach der mit speziellen Mähdreschern durchgeführten Ernte reinigen die Bauern die dunkelbraunen Früchte und lassen sie trocknen. Um sie vor Ungeziefer zu schützen, hängen sie die Körner meist in Säcken auf, jedoch nie länger als zwei Monate. Denn dann ist Zeit zum Schälen und Mahlen. Wenn der Winter hereinbrach, breiteten die Bauernfamilien in alter Zeit ihre Ernte rund um den Stubenofen aus, und alle trampelten mit schweren Holzschuhen – den Tschoggln oder Zoggln – auf den dunkelbraunen Körnern herum, bis die Schalen abfielen. Heute werden die Früchte in regionalen Mühlen geschält und zu Mehl gemahlen. Früher geschah das in alten Steinmühlen, die mittlerweile stillgelegt sind.

Ein Pionier unter den Pflanzen

Ohne große Ansprüche und bestens angepasst an die kurzen Vegetationszeiten gedeiht der genügsame Hadn selbst auf kargem Boden prächtig. Er galt von Anfang an als Pionierpflanze. Früher, als noch jedes Fleckchen Erde landwirtschaftlich genutzt wurde, war Buchweizen oft die erste Pflanze, die Bauern auf frisch gerodetem Land säten. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert war der Buchweizen in der Kärntner Bauernküche sehr beliebt, etwa in Form von Sterz – einem typischen österreichischen Breigericht.

Kärntner Hadnküche ist en vogue

Wenn man in Kärnten vom Hadn spricht, dann kommen Einheimische ins Schwärmen. Sie erzählen von Hadnmehlknödeln, vom Hadnsterz und der berühmten Hadntorte. Auch in der modernen Küche findet Hadn Anklang, etwa als Hadnnudeln mit Grammeln, Hadnravioli oder Zander mit Hadnpanier.

Sein leicht nussiger Geschmack erinnert entfernt an Haselnüsse. Auch gesundheitlich hat Buchweizen einiges zu bieten: Vor einiger Zeit wurde er in der Diätküche als gesunde Alternative zu anderen Mehlsorten wiederentdeckt. Er ist reich an Mineralstoffen und Vitaminen, verfügt über sehr hochwertiges Eiweiß und ist obendrauf noch leicht verdaulich.

Von den regionalen Bauernmärkten oder über Ab-Hof-Verkauf können die Kärntner Hadnspezialitäten mit nach Hause genommen werden. Und zwei Mal jährlich, im Juli und im September, findet im Jauntal das Hadnfest statt. Von weit her kommen die Besucher, um sich die Spezialitäten vor Ort schmecken zu lassen.