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Pielachtaler Dirndln

Die Nutzung der fast in Vergessenheit geratenen Dirndlfrucht hat im niederösterreichischen Pielachtal eine lange Geschichte. Heute werden die Verwertungsmöglichkeiten dieser Wildobstart aus zahlreichen alten Kochbüchern wieder neu entdeckt und Kultivierung und Nutzung der Dirndlfrüchte wieder vermehrt hochgehalten. Besondere Bedeutung hat der aus Dirndln produzierte Dirndlbrand mit seinem einzigartigen Geschmack. Seine ländliche Herstellungstradition lässt sich bis in die Zeit Maria Theresias zurückverfolgen.

Ein fast vergessenes Wildobst

Botanisch gesehen zählt der Dirndlstauch zur Familie der Hartriegelgewächse (Cornaceae) und seine Frucht heißt richtigerweise Kornelkirsche. Der lateinische Name lautet Cornus mas, was übersetzt so viel wie „männlicher Hornstrauch" bedeutet. Umgangssprachlich sind zahlreiche weitere Begriffe wie etwa Herlitze und Dirlitze sowie verschiedene Abwandlungen wie Dierlibaum und Dirnstrauch bekannt. In Österreich wird sie schlicht und einfach Dirndl genannt, was historisch auf die Zeit der österreich-ungarischen Monarchie zurückgeführt werden kann. Wie dieser Name entstand, ist jedoch bis heute unklar. Die Bezeichnung „Cornus", der Kornelkirschenbaum, findet sich bereits viel früher, nämlich in den großen Werken römischer Schriftsteller wie etwa Horaz, Ovid, Plinius dem Älteren oder Vergil.

Der Strauch oder auch kleine Baum erreicht eine Höhe von fünf bis zwölf Meter. Es heißt, dass der Dirndlstrauch bis zu 100 Jahre alt wird, manche Quellen sprechen sogar von einem wahrhaft biblischen Alter von bis zu 450 Jahren. Als besondere Attraktion gilt ein Dirndlbaum, der nicht im Pielach-, sondern im benachbarten Traisental in der Nähe der Anthofgrotte steht. Mit einem geschätzten Alter von 1000 Jahren gilt er angeblich als der älteste Dirndlstrauch weltweit. Besonders auffällig ist der Strauch im Februar, wenn sich – noch bevor die Blätter zum Vorschein kommen – die vielen kleinen goldgelb leuchtenden Blüten zeigen und als erste Frühlingsboten einen schwachen Honigduft abgeben.

Die Kornelkirsche ist eine Steinfrucht. Optisch gesehen weist sie zwar Ähnlichkeiten mit der Kirsche (Prunus cerasus) auf, gehört jedoch einer ganz anderen Ordnung des Pflanzenreichs, den Hartriegelgewächsen, an. Während des Spätsommers verfärben sich die länglich-ovalen Steinfrüchte von korallenrot bis tiefrot oder schwarz. Erst wenn sie beinahe überreif sind, haben sie ihren saftig-säuerlichen, leicht grasigen Geschmack mit intensivem Aroma und dem charakteristischen hohen Extraktgehalt voll ausgebildet. Während der etwa sechs Wochen dauernden, sehr arbeitsintensiven Ernte breiten die Bauern traditionellerweise feinmaschige Netze oder Decken unter den Bäumen aus, schütteln die Früchte vorsichtig von den Ästen, lesen sie sorgsam auf und sortieren sie anschließend von Hand.

Träger des Wissens

Die bäuerliche Tradition zur Herstellung des typischen Dirndlbrands ist im Pielachtal nie abgebrochen. Um über Generationen entstandenes Wissen und Traditionen über alte Obst- und Beerensorten zu pflegen und weiterzutragen, haben sich Bauern der Region Pielachtal zusammengefunden und 1996 die „Pielachtaler Edelbrandgemeinschaft" gegründet. Heute ist die „Dirndl-Edelbrand-Dörrobstgemeinschaft Pielachtal" die Institution, die sich der Dirndl annimmt.

Umfangreiche Erfahrungen mit der Tradition des Brennens sowie erprobte Rezepturen verleihen dem Brand seinen typischen Charakter. Sein Geschmack zeichnet sich durch einen fein-süßlichen Fruchtcharakter und ein an weiße Trüffel erinnerndes Aroma aus, mit einem zart grasigen und leicht öligen Ton im Abgang.

Dem Dirndlbrand kommt heute ein nationaler Herkunftsschutz zu. Die Bezeichnung „Pielachtaler Dirndlbrand" darf laut Österreichischem Lebensmittelbuch nur dann Verwendung finden, wenn sowohl der Rohstoff aus den Gemeinden des Pielachtales stammt als auch Destillation und Abfüllung ausschließlich in der Region erfolgen.

Auch der Alkoholgehalt ist genau festgelegt und muss zwischen 39 und 45 Volumenprozent liegen. Das traditionelle Wissen rund um diese alte Wildobstsorte beschränkt sich jedoch nicht auf den Bereich der kulinarischen Spezialitäten. Die Pflege und Kultivierung des Strauches trägt auch wesentlich zur nachhaltigen Landschaftspflege bei. Ein Dirndlstrauch wird im Pielachtal nicht gefällt, er genießt hohe Wertschätzung.

Land der Dirndln

Der Dirndlstrauch ist im niederösterreichischen Pielachtal im Mostviertel südlich der Donau, nicht weit von der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten entfernt, ein prägendes Element der Kulturlandschaft. Man geht davon aus, dass Dirndlsträucher bereits vor mehreren tausend Jahren ins Pielachtal gelangten.

Neben dem Pielachtal ist der Dirndlstrauch auch in anderen Teilen Niederösterreichs, bevorzugt an der Thermenlinie und im Gebiet der niederösterreichischen Voralpen, anzutreffen. Auch in Teilen des Weinviertels, vereinzelt im Waldviertel sowie im Alpenvorland finden sich teilweise günstige Bedingungen für diese Wildobstsorte. Auf den kalkhaltigen Böden und den warmen, sonnenexponierten Südhängen des Pielachtales fühlt sie sich besonders wohl. Man trifft Dirndlsträucher in der Region traditionell als natürliche Grundstücksgrenzen an. Und auch in lichten Wäldern, an Waldrändern und in Hecken sind sie zu finden. Zudem eignen sich die tief reichenden Wurzeln der Sträucher zum Abstützen steiler Hänge und festigen die Erdtrassen der Südhänge des Tals bis heute erfolgreich.

Dirndln als echtes Universaltalent

So vielfältig wie die Dirndlsträucher sind auch ihre Verwendungsmöglichkeiten. Anfangs stand für die Menschen vor allem die Verarbeitung des sehr dichten und harten Holzes im Vordergrund. Doch schon die alten Römer wussten auch die Dirndlfrucht zu nutzen. So legten sie halbreife Dirndln ähnlich wie Oliven sauer ein. Und bis vor nicht allzu langer Zeit wurden ihre Kerne als Rosenkranzperlen verwendet. Heute haben sich vor allem typische Dirndlprodukte wie Marmeladen, Gelees, Säfte, Liköre und vor allem Edelbrände etabliert.

Auch in der Volksmedizin hat sich die Dirndl als Heilmittel gegen verschiedene Leiden einen Namen gemacht. Bereits im 12. Jahrhundert empfahl Hildegard von Bingen in ihrem medizinischen Werk „Physica" Dirndln gegen Gicht und für den Magen. So heißt es bei Hildegard: „und die Frucht dieses Baumes schadet dem Magen nicht, sie nützt dem Menschen für die Gesundheit". Heute wird vor allem dem Dirndlbrand eine besonders wohltuende Wirkung nach kräftigen Speisen zugeschrieben.