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Pöllauer Hirschbirne

Zuckersüß, hocharomatisch und eigenwillig im Geschmack, so präsentiert sich die Pöllauer Hirschbirne. Der optimal an die lokalen Gegebenheiten angepasste steirische Sämling beherrscht seit Jahrhunderten durch seine mächtigen Baumkronen das Bild rund um das Pöllauer Tal. Er steht heute als Sinnbild für traditionelle Bewirtschaftung, großen Erfahrungsschatz, gelebtes Brauchtum und einzigartigen Innovationsgeist. Ob frisch genossen, zu Saft gepresst, zu Most vergoren, zu Marmelade eingekocht, zu Edelbrand destilliert oder als Kletze: Die Hirschbirne ist ein echtes Original.

Ein Blick in die Vergangenheit

Wann und wo genau die Hirschbirne erstmals in Erscheinung trat, konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. In ihrer Entstehungsgeschichte ist sogar von Napoleon die Rede, dessen Truppen die Hirschbirne angeblich zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Pöllau gebracht haben sollen. Nachgewiesen werden konnte, dass die Birne seit 1860, eventuell bereits seit 1800, in der Region bekannt ist. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass das erstmalige Auftreten der Sorte bereits deutlich früher erfolgte. So ist es möglich, dass zwar die Bezeichnung „Hirschbirne" aus dem 19. Jahrhundert stammt, die entsprechende Birnensorte jedoch schon früher unter einem anderen Namen verbreitet war.

Untermauert wird diese Theorie durch zahlreiche historische Schriftstücke, in denen die Hirschbirne oft synonym mit der Wolfsbirne erwähnt wird. Weiters tauchen immer wieder falsche Synonyme wie Rote Weinbirne oder auch Tepka auf.

Modisch „altmodisch": Most, Schnaps und Kletzen

Die Verarbeitung der Hirschbirne zu verschiedenen kulinarischen Köstlichkeiten blickt in der Region auf eine lange Tradition zurück. So wusste man bereits ab dem 19. Jahrhundert die hervorragende Eigenschaft der Frucht in vielerlei Art und Weise zu nutzen. Besonders große Bedeutung kam der Mostherstellung zu und die Hirschbirne wurde damals sogar als „die in der Steiermark verbreitetste Gattung von Mostbirnen" bezeichnet. Daneben spielte auch die Herstellung des einzigartigen Hirschbirnenbrandes eine wichtige Rolle.

Neben der Vergärung zu Most und der Destillation ist ab Mitte des 19. Jahrhunderts bereits eine weitere Verwertungsmöglichkeit der Hirschbirne belegt: In kleinen Dörröfen wurden mit viel Geschick die noch heute weithin bekannten Kletzen hergestellt. Die Erzeugung von gedörrtem Obst aus dem steirischen Sämling entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Wirtschaftszweig im Pöllauer Tal und die Kletzen wurden als hochgeschätzte Köstlichkeit sogar bis an die Wiener Märkte geliefert.

Und auch heute noch stehen Most, Kletzen oder Schnaps ihrem damaligen guten Ruf in nichts nach. Der Most zur typischen Brettljause, der Schnaps nach dem Essen oder die Kletzen für die Herstellung des traditionellen Kletzenbrotes sind heute wie früher als Brauchtum fest in der Region verankert.

Steirischer Hirschbirnenbrand

Der schon in der Pöllauer Ortschronik Ende des 19. Jahrhunderts als Schnapsspezialität des Gebietes um Pöllauberg hervorgehobene Hirschbirnenbrand besticht durch sein intensives, jugendliches Birnenbukett.

Kenner beschreiben ihn als Edelbrandspezialität mit einem adstringierenden Touch von grünen Paprikaschoten und sensationeller Frische mit brillantem Aroma. Er überzeugt durch seine Ausgewogenheit zwischen jugendlicher Leichtigkeit und feurig animierender Kraft und besitzt einen Alkoholgehalt von mindestens 38 Volumenprozent.

Stammen die Birnen ausschließlich aus der Steiermark und werden sowohl Destillation als auch alle weiteren Be- und Verarbeitungsschritte inklusive Abfüllung und Etikettierung ausschließlich in der Region durchgeführt, darf dieser österreichische Qualitätsobstbrand mit der im österreichischen Lebensmittelbuch geschützten Bezeichnung „Steirischer Hirschbirnenbrand" versehen werden.

Zu besonderen Anlässen, als Digestif oder einfach nur so zum Genießen: Steirischer Hirschbirnenbrand ist einzigartig und bei jedem Schluck lassen sich die Findigkeit und der Erfahrungsschatz der Produzenten erkennen und genießen.

Landschaftliche Vielfalt im Herzen der Oststeiermark

Umgeben von einer Hügelkette zeigt sich das Pöllauer Tal als weitläufiges Talbecken mit vielfältigem Landschaftsbild. Sanfte Hügel, saftige Wiesen und grüne Wälder sowie traditionelle Obst-, Wein- und Gemüsekulturen fügen sich abwechslungsreich ineinander und verleihen der Umgebung einen einzigartigen Charme. Ihrer Auszeichnung mit dem Prädikat „Naturpark" macht die Region alle Ehre. Neben dem landschaftlichen Reiz bietet die oststeirische Region auch in kulinarischer Hinsicht ein Highlight: die Pöllauer Hirschbirne. Sie ist eine Birnenrarität mit langer Tradition und gilt als wesentlicher Bestandteil der unverwechselbaren regionalen Vegetation.

Dem sorgsamen Umgang der Pöllauer Landwirte mit den landwirtschaftlichen Ressourcen ist es zu verdanken, dass noch heute in der Region zahlreiche Hirschbirnbäume von beachtlichem Alter anzutreffen sind. Die Anpflanzung einiger dieser beeindruckenden „Baumveteranen" geht nachweislich auf die Zeit um 1870 zurück. Mal wächst die Pöllauer Hirschbirne auf Streuobstwiesen in Form von großkronigen Hochstammbäumen in dichten Baumgruppen, mal fügen sich die Bäume linienartig entlang von Rainen und Wegen in die Landschaft ein. Auch allein stehende Bäume als Zeugen ehemaliger Streuobstbestände sind nicht selten vorzufinden.

Bei milden Klimaverhältnissen und einer Lage von bis zu 1000 Meter Seehöhe fühlt sich die Birne besonders wohl. Sind die Böden zudem noch tiefgründig, nährstoffreich und feucht, ist die optimale Reifung der Birnen garantiert. Auch heute noch gilt die Naturparkregion Pöllauer Tal als Hauptverbreitungsgebiet der Hirschbirne, jedoch ist sie auch bis über die Grenzen des Pöllauer Tales anzutreffen. So finden sich nennenswerte Bestände bis weit in das Steirische Hügelland und das Grazer Bergland hinein.

Auf steirischem Boden gewachsen

Die Hirschbirne gilt als steirischer Sämling, dessen Abstammung vermutlich auf die Schneebirne (Pyrus nivalis) zurückzuführen ist. Die Bezeichnung „Hirschbirne" könnte sich von „Herbstbirne" herleiten, da in der Mundart „Hi(a)rscht" bzw. „Hirscht" für Herbst verwendet wird. Auch ein Zusammenhang mit ihrer Reifezeit „zugleich mit der Hirse" wäre denkbar, ist jedoch unwahrscheinlich, da die Reifezeit der Hirse im Sommer liegt.

Der Pöllauer Hirschbirnenbaum ist besonders anpassungsfähig, widerstandsfähig, langlebig und bringt reiche Erträge. Seine im Vergleich zu anderen Mostbirnensorten relativ großen Früchte sind kleiner als Tafelbirnen. Zudem weisen sie eine gedrungene, von der klassischen Birne abweichende Form auf.

Anfangs noch gelblich grün, verschiebt sich die Farbe der leicht glänzenden, nach Zimt duftenden Schale mit zunehmender Reife in Richtung Gelb. Die üblicherweise trübrote sonnenseitige Deckfarbe geht in Rotorange, im Fallobststadium in Gelb über. Das Fruchtfleisch besitzt eine grobe und feste Textur und gilt als äußerst saftig. Für Mostbirnen typisch sind ihre im Fruchtfleisch enthaltenen Steinzellen.

Überreif, braun und mürbe – so erst schmeckt die Hirschbirne richtig gut und überrascht durch ihr vielfältiges, süßes, leicht sandiges, harmonisches Geschmackbild und ihr berühmtes Kletzenaroma.