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Stanzer Zwetschke

Die Stanzer Zwetschke ist eine alte Zwetschkensorte mit ausgeprägtem Aroma, die im westlichen Teil Tirols gedeiht. Die auf 1000 Meter Seehöhe in südlichen Hanglagen gelegenen Zwetschkengärten von Stanz, Grins und Pians sind mit ihren etwa 20.000 Bäumen eine landschaftliche Besonderheit. Sie gehören zu den höchstgelegenen Obstanbaugebieten Europas. Die Stanzer Zwetschke, die von den Einheimischen auch Stanzer Hauszwetschke genannt wird, umfasst verschiedene lokale Sorten.

Die Legende von der Stanzer Zwetschke

Um die Herkunft der Stanzer Zwetschke rankt sich eine Legende. Sie erzählt, dass der Heilige Petrus Canisius im 16. Jahrhundert erstmals auf seinen Wanderpredigten Zwetschkenreiser nach Stanz in Tirol brachte. Damals waren die Bauern der Region auf Selbstversorgung ausgerichtet und nützten zur Bewirtschaftung und Anpflanzung von Obstbäumen jedes noch so kleine Fleckchen Erde. Die ersten Zwetschkenbäume wurden auf den kargen Böden der steilen Berghänge gepflanzt. Im Laufe der Zeit haben sich durch natürliche Vermehrung und Wildwuchs lokale Zwetschkensorten entwickelt und an die flachgründigen Böden und das trockene, inneralpine Klima angepasst.

Bemerkenswert ist, dass Einheimische der Region schon Mitte des 19. Jahrhunderts begannen, den Obstbau und die Vermarktung von frischem und gedörrtem Obst zu forcieren. Auch das Brennen der Früchte zu Schnaps war damals bereits sehr beliebt. Es war jene Zeit, als der Pomologe und Wanderlehrer Josef Falch die erste fachlich geführte Baumschule in der Region gründete. Wenige Jahrzehnte später entstand in Landeck der erste Bezirksverein für Obst und Obstverwertung.

Seitdem wird die Kultivierung des Zwetschkenanbaus in der Region um Stanz gepflegt und weitergeführt. Weitere Bemühungen gab es in der Zwischenkriegszeit, als Händler die Stanzer Zwetschke sogar in München am Markt anboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat der Obstbau jedoch zunehmend in den Hintergrund. Die Region erkannte den drohenden Verlust der kultivierten Obst- und Zwetschkengärten und entwickelte in der Folge spezielle Förderprogramme zur Erhaltung der Arten- und Sortenvielfalt und der Bewirtschaftung ihrer Obstgärten.

Stanzer Zwetschken – regionale Typenvielfalt

Die Stanzer Zwetschke umfasst lokale Sorten aus der Gruppe der Hauszwetschken, der Wangenheimer Frühzwetschke und der Italienischen Zuckerzwetschke. Über Jahrhunderte haben sich dabei als Folge der Vermehrung vor Ort lokale Typen herausgebildet. Generell stellt die Stanzer Zwetschke geringe Ansprüche und zeichnet sich durch ihre besonders gute Anpassungsfähigkeit an Boden und Klima aus.

Der Baum wird bis zu zehn Meter hoch und hat meist eine schlanke Krone. Er ist ein Spätblüher und daher durch Blütenfrost nur wenig gefährdet. Die blühenden Zwetschkenbäume mit ihren zu Büscheln gefassten weißen Blüten locken jährlich im Frühling viele Naturliebhaber und Wanderfreunde in die alpine Region. Im Spätherbst hängt das feine Fruchtholz mit den reifen Zwetschken tief vom Baum und das Steinobst wird händisch gepflückt. Die eher kleinwüchsigen länglichen Früchte haben eine satt dunkelblaue Farbe mit glatter Schale und einen flachen, spitz zulaufenden Stein, der sich leicht vom gelblich-grünen Fruchtfleisch löst.

Stanzer Zwetschken schmecken saftig und sehr süß. Ihr ausgeprägtes Zwetschkenaroma wird auf das Zusammenspiel von Sorte, naturgegebenen Faktoren und dem Charakter der Region zurückgeführt. Im Klima und in den sonnigen Hanglagen rund um Stanz gedeiht die alte Zwetschkensorte besonders gut.

Die Stanzer Zwetschke in der regionalen Küche

Nicht nur die Kultivierung der Stanzer Zwetschken, sondern auch das Wissen über ihre Weiterverarbeitung und regionale Rezepturen hat eine lange Tradition. Stanzer Zwetschken werden gerne als Obst gegessen oder aber zu Marmeladen, Powidl und fruchtigen Zwetschkenröstern verkocht. In der alpenländischen Mehlspeisenküche mit ihrer Vielzahl an Hausrezepten werden die Stanzer Zwetschken auch zu Strudeln, Kuchen und Knödeln verarbeitet.

Heute noch sind Stanz und seine Nachbarorte besonders für ihre Schnapsbrennereien bekannt. Die heimischen Zwetschken werden in rund 180 Brennereien zu Edelbränden und mild schmeckenden Likören verarbeitet. Der Zwetschkenbrand hat ein kräftiges Aroma mit einer typischen Zimtnote und einem leichten Bittermandelgeschmack. Letzerer kommt von den Zwetschkenkernen.

Mit Zwetschkengärten die Landschaft pflegen

Die örtlichen Bauern haben über lange Zeit Erfahrungen und Wissen gesammelt und gelernt, die Veredelung und Pflege der Stanzer Zwetschkenbäume an die ökologischen und klimatischen Gegebenheiten der Landschaft anzupassen und ihre alten Sorten mit Samen und Wurzelschösslingen auf natürliche Weise zu vermehren. Dieses Wissen wird heute noch von Generation zu Generation weitergetragen. Die traditionelle Bewirtschaftung der Obst- und Zwetschkengärten sichert in der Region neben einer nachhaltigen Landwirtschaft und der so wichtigen Landschaftspflege auch heute noch bäuerliche Existenzen.