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Wachauer Marille g.U.

Der Reblaus sei Dank!

Wenn man es ganz genau nimmt, hat die Wachauer Marille ihre Berühmtheit einer Zwerglaus zu verdanken, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurde und weite Teile der damals vorhandenen Rebanlagen vernichtete. Doch die Geschichte der Marille als solcher beginnt natürlich schon viel früher. Die wildwachsenden Vorfahren der Marille sollen aus China abstammen. Bisher wurde vermutet, dass die Römer diese Frucht in unsere Breiten brachten. Neueren Forschungen nach ist aber ziemlich sicher, dass die Marille ihren Weg über die Donau in die Wachau fand. Denn in der Gedenkschrift über den heiligen Severin schreibt Eugippius
(ca. 465–533 n. Chr.), dass zur Römerzeit in der Wachau bereits Obstbau betrieben wurde.

Der älteste schriftliche Nachweis der „Maryln" findet sich jedoch erst in einer aus dem Jahr 1509 stammenden Briefsammlung, die im Starhembergischen Archiv in Eferding bei Linz aufliegt. Dass die Marille in manchen deutschsprachigen Gebieten Aprikose heißt, liegt übrigens daran, dass sich der französische Name „abricot" nach West- und Norddeutschland verbreitete. In Österreich sowie in Süddeutschland und der Schweiz wurde hingegen der vom italienischen „armellino" über das Wort „Amarellen" abgeleitete Name Marille heimisch.

Als sich dann im 19. Jahrhundert die Reblaus auf den heimischen Weinstöcken breitmachte und beinahe alle Weinpflanzungen zerstörte, suchten Wachauer Weinbauern nach einem gewinnbringenden Ersatz, der sich in ihrer Region gut kultivieren ließ, und fanden ihn in der Marille. Gemeinsam mit Obstbau-Fachleuten und örtlichen Baumschulen wurden an den Standort angepasste Marillensorten entwickelt, wie etwa die regionaltypische Klosterneuburger Marille.

Eine wahre Hochblüte erlebte der Wachauer Marillenanbau in den 1950er Jahren, als Bahn und Auto die Transportmöglichkeiten erweiterten. Damals entstanden regelrechte Marillenplantagen, denn für viele Landwirte war die köstliche Frucht eine wichtige Einnahmequelle.

In den 1990er Jahren organisierten sich die örtlichen Marillenbauern und setzten sich gemeinsam für den Schutz und die Erhaltung der Wachauer Marille ein. 2003 gründeten sie den Verein zum Schutz der Wachauer Marille, dem heute etwa 200 Mitglieder angehören. Sie garantieren mit ihrer „Original Wachauer Marille" sowohl die Herkunft als auch eine einzigartige Geschmacksqualität.

Das Weltkulturerbe an der Donau

Dort, wo das südliche Waldviertel mit dem Dunkelsteinerwald zusammentrifft, erstreckt sich zwischen Melk und Krems eine wahre Zauberlandschaft: die Wachau. Vor langer Zeit grub sich hier die Donau durch ein Plateau aus Granit und Gneis. So entstand das enge Donautal, das mit seinen steil abfallenden Hängen, bunten Mischwäldern, schroffen Felsen und den sonnenverwöhnten Weinbergterrassen eine ganz besondere Romantik ausstrahlt. Der magere, aber ökologisch wichtige Trockenrasen und das Flussbett der Donau mit seinem schmalen angrenzenden Auwald schaffen wichtige Rückzugsgebiete für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Und gleich direkt neben der Donau liegen auch die malerischen Obstgärten, in denen die Wachauer Marille wächst.

Ein Rundgang durch den Marillengarten

Botanisch gesehen zählt der Marillenbaum (Prunus armeniaca) zu den Rosengewächsen. Als Erziehungsform ist der Meterstamm mit Rundkronenerziehung, Pyramiden- oder Hohlkrone verbreitet.

Während der Blüte- und der Reifezeit mag es die Marille gerne warm. Daher werden die Bäume mit ausreichendem Abstand gepflanzt, denn nur so kann das für die Geschmacksausbildung so wichtige Sonnenlicht zu den vielen Früchten durchkommen. Wenn sich die Marillen schließlich honiggelb färben und an einer der Backen bräunliche bis rötliche Punkte bekommen, dann ist die Zeit der Ernte angebrochen. Und die ist knapp bemessen: Während etwa drei Wochen im Hochsommer ernten die Obstbauern die begehrte Frucht. Weil sie immer nur ganz reife Marillen pflücken, wird ein Baum pro Saison bis zu fünfmal durchgeerntet. Die sehr arbeitsaufwändige Ernte erfolgt nach wie vor per Hand, wozu die Marillenbauern einen traditionellen Pflückkorb verwenden: die typische Marillenzistel. Ihre nach unten spitz zusammenlaufende Form erleichtert die Ernte im Astgewirr und nimmt den Druck auf die im Pflückkorb weiter unten liegenden Marillen. Die Steinfrüchte der bekanntesten Sorte Klosterneuburger Marille sind rund, leicht kegelförmig zugespitzt und haben eine samtig-weiche Haut. Ihr oranges bis leicht rötliches, festes Fruchtfleisch ist saftig und niemals mehlig. Der unvergleichliche Geschmack der Frucht ist vom optimalen Zusammenspiel von Zucker und Säure geprägt.

Wachauer Marillen finden heute umfassend Verwendung: ob frisch vom Baum, in verführerischen Marillenknödeln, in der traditionellen Süßspeise Wäschermädeln, in fruchtigen Kuchen und Strudeln, süßem Kompott, Nektar oder gar als köstlicher Edelbrand oder Likör. Und dass Marillenmarmelade bis heute mit Marillen aus der Wachau einfach am besten gelingt, liegt an deren bemerkenswert hohem Pektingehalt.

Weil sie so besonders ist, verdient die Wachauer Marille eine Ehrung: Alljährlich wird in Krems das Marillenfest gefeiert. Umgeben von Musik und Tanz können hier verschiedene, oft hausgemachte Spezialitäten mit Wachauer Marillen verkostet werden. Und wem das nicht genug ist, der kann beim traditionellen Marillenkirtag in Spitz gleich weiterschlemmen.

Der Wachauer Aromagürtel

Mit dem Namen Wachauer Marille g.U. dürfen nur Marillen bezeichnet werden, die aus der Region Wachau-Mautern-Krems stammen. Die Region umfasst die Gemeinden Aggsbach-Markt, Albrechtsberg, Bergern im Dunkelsteinerwald, Droß, Dürnstein, Furth, Gedersdorf, Krems, Maria Laach, Mautern, Mühldorf, Paudorf, Rohrendorf bei Krems, Rossatz-Arnsdorf, Senftenberg, Spitz, Stratzing, Weinziel am Wald und Weißenkirchen.

Viele Faktoren spielen für die unvergleichliche Qualität der Wachauer Marille g.U. optimal zusammen. Der Boden besteht zum Teil aus verwittertem Urgestein, in tieferen Lagen mischt sich Löß dazu und im Tal neben der Donau zum Teil auch Sand. Ebenso vielfältig wie die Bodenbeschaffenheit ist auch das Wachauer Kima. Vom Osten her reicht trockenes und gemäßigtes pannonisches Klima in das Donautal, und das Waldviertel schickt aus dem Norden kühlere, oft feuchte Luft durch die Wachauer Gräben. Schließlich sorgt die große Wasseroberfläche der Donau dafür, dass viel Sonnenlicht reflektiert wird. Das Zusammenspiel dieser Faktoren ist für die Entwicklung des gehaltvollen Geschmacks der Wachauer Marille sehr wichtig.