Nur wenn Sie die Standortermittlung aktivieren, werden die Produzenten und Spezialitätenerzeuger in Ihrer Nähe angezeigt. Andernfalls steht Ihnen die allgemeine Suchfunktion zur Verfügung.

Waldviertler Graumohn g.U.

Seit dem 13. Jahrhundert hat eine legendenumwobene Kulturpflanze nachweislich im Waldviertel Tradition: der Waldviertler Graumohn. Als echter Waldviertler Graumohn g. U. gilt jener, der auf Feldern der Bezirke Zwettl, Gmünd, Waidhofen/Thaya, Horn und in den nördlich der Donau gelegenen Regionen von Krems-Land und Melk wächst. Die besondere Qualität des auf diesem Anbaugebiet im Waldviertel kultivierten Graumohns hat dazu geführt, dass Waldviertler Graumohn europaweit als Produkt mit „geschützter Ursprungsbezeichnung" anerkannt wurde.

Die Blume des Waldviertels

Waldviertler Graumohn g. U. gehört zu den Schlafmohn- bzw. Ölmohnsorten (Papaver somniferum L.) und ist als Schüttmohn bekannt. Die Samenkapseln des Waldviertler Graumohns g. U. öffnen sich als eine der wenigen Mohnsorten bei der Reife, sodass die Samen gewonnen werden können, ohne dass man die Kapsel zerstören muss.

Neben lokalen Waldviertler Landsorten gibt es die beiden registrierten Sorten Edel-Weiß und Edel-Rot. Waldviertler Graumohn g. U. wird zeitig im Frühjahr ausgesät. Wenn er auf Schnee gesät wird, gedeiht er wunderbar – so heißt es im Volksmund. Es dauert ungefähr 70 bis 90 Tage, bis die Mohnfelder in voller Blütenpracht erstrahlen. Heute ist die Mohnblüte eine beliebte Touristenattraktion, die jährlich viele neugierige Besucher anlockt. Doch man muss schnell sein, denn die Mohnblüten sind nur wenige Tage geöffnet.

Ist der Mohn endlich reif, machen sich die Felder durch ein rasselndes Geräusch bemerkbar. Dann lösen sich die Samenkörner von den Scheidewänden und sammeln sich am Boden der inzwischen braun verfärbten und trockenen Kapsel. Jetzt ist Zeit für die Ernte. Das geschieht entweder mit eigens entwickelten Erntemaschinen oder traditionell von Hand. Bei trockener Witterung schneiden die Bauern Kapsel für Kapsel ab. Die Samen werden durch die Löcher unterhalb des Narbenkranzes in vorbereitete Tücher geschüttelt. Anschließend wird der erntefrische Mohn gereinigt und kontrolliert, denn nur einwandfreier Mohn ist gut lagerfähig und von erstklassiger Qualität.

Waldviertler Graumohn g. U. wächst aufgrund der örtlichen Bedingungen nur langsam. Das bringt Vorteile: Die nierenförmigen grauen Mohnsamen werden dadurch besonders groß und haben einen bemerkenswert hohen Ölgehalt. Der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren macht ihn besonders für die gesundheitsbewusste Ernährung interessant. Und Suchtgefahr besteht höchstens in Hinblick auf das Genusserlebnis – denn der Morphingehalt des Waldviertler Graumohns g. U. ist heute vernachlässigbar gering.

Aus der Regionalküche ist Waldviertler Graumohn nicht mehr wegzudenken. Mit seinem feinen, mild-nussigen Geschmack eignet er sich für Torten, Nudeln, Knödel, Tatschkerln, Zelten, Strudel und auch für edles Mohnöl.

Wo im Norden die Steine wackeln

Das Waldviertel ist ein Urgesteinsplateau im nördlichen Niederösterreich. Geografisch betrachtet erstreckt es sich nördlich der Donau von der Wachau bis zum Böhmerwald an der Grenze zur Tschechischen Republik. Im Westen trennt der Weinsberger Wald das Waldviertel vom oberösterreichischen Mühlviertel und im Osten wird es vom Manhartsberg begrenzt. Die Hochlandregion ist ein südlicher Ausläufer der Böhmischen Masse. Hier findet man Granit, Gneis, kristallinen Kalk und in der Horner Bucht auch Löß.

Das dünn besiedelte Gebiet zeigt eine erstaunliche landschaftliche Vielfalt. Im Norden wechseln sich einsame Hochmoore und Heidelandschaften mit reizvollen Flusstälern und Teichgebieten ab. Darin eingebettet finden sich moosbewachsene Granitblöcke und die berühmten „Wackelsteine". Das südliche Waldviertel präsentiert sich vor allem als beliebte Wanderregion. Und das östliche Waldviertel ist von einer landwirtschaftlich genützten Hügellandschaft mit zum Teil schluchtartigen Tälern geprägt.

Bestens aufeinander abgestimmt

Die Region und der Waldviertler Graumohn g. U. passen optimal zueinander. Graumohn liebt unkrautarme, sorgfältig vorbereitete Böden; dafür eignen sich die oft kargen Waldviertler Äcker besonders gut. Und das kühle und trockene Klima mit seinen kurzen Vegetationszeiten ist für ihn genau das Richtige. Der Tau der kühlen Nächte und die heißen Sonnentage lassen den Waldviertler Graumohn g. U. besonders prächtig gedeihen.

Nachhaltiges Wirtschaften und die Bewahrung regionaler Kleinbetriebe ist vielen Waldviertlern ein Anliegen. Doch die topografischen und klimatischen Verhältnisse machen die vorwiegend kleinstrukturierte Landwirtschaft zu einem aufwändigen Unterfangen. Um der Region nach langem wirtschaftlichen Niedergang eine Perspektive zu geben, haben aufgeschlossene Waldviertler Bauern eine alte Tradition wiederbelebt: den Anbau von Alternativkulturen. Seit geraumer Zeit wachsen im Waldviertel wieder alte regionalspezifische Kulturpflanzen wie etwa der Waldviertler Graumohn.

Vom Klostergarten zur regionalen Wappenblume

Mohn war in Mittel- und Südeuropa schon seit dem Altertum bekannt. Über Klostergärten fand der Graumohn schließlich seinen Weg ins Waldviertel. Überlieferungen zufolge kultivierten und veredelten Waldviertler Mönche bereits im frühen Mittelalter Gartenmohn, um aus seinem milchigen Saft Schlaf- und Heilmittel gegen Schmerzen herzustellen. Belegt werden kann dies mit dem ältesten Urbar des Stiftes Zwettl, dem Urbar des Abtes Ebro von 1280, sowie den Waldviertler Zehentbüchern des späten 13. Jahrhunderts. Nach und nach wusste auch die Bevölkerung um die Besonderheit des Zwettler Mohns – wie er damals noch hieß – und griff das Wissen der örtlichen Mönche auf.

Eine Agrarstatistik der k. u. k. Monarchie besagt, dass es um 1912 im Waldviertel etwa 1200 Hektar Mohnäcker gab. Die Beliebtheit des Mohns reichte bis weit über die Grenzen. Bis etwa Anfang der 1930er Jahre notierte er sogar an der Londoner Handelsbörse. Aufgrund fehlender Mechanisierung, Umstrukturierungen in der Landwirtschaft und steigender Billigimporte ging der arbeitsintensive Mohnanbau im Waldviertel jedoch im Laufe des 20. Jahrhunderts stark zurück.

Erst in den 1980er Jahren konnte dieser Abwärtstrend gestoppt werden, als sich Gleichgesinnte zusammenfanden, um die alte Waldviertler Mohntradition wieder neu zu beleben. Mit dem „Waldviertler Sonderkulturenverein" starteten sie eine Initiative zur Förderung landwirtschaftlicher Alternativprogramme. Und sie waren erfolgreich: Aktuell werden wieder an die 500 Hektar Mohnäcker bewirtschaftet. Bis heute überwacht der Verein den Anbau von Waldviertler Graumohn g. U. und führt strenge Qualitätskontrollen durch.