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Murbodner Rind

Das bodenständige Murbodner Rind gilt als alteingesessene, robuste Rinderart mit langer Tradition. Die züchterischen Bemühungen, den Genpool der semmelfarbenen bis rotbraunen Tiere zu erhalten, verlaufen erfolgreich. Zudem zeichnet sich das Fleisch dieser Höhenviehrasse durch ansprechende Marmorierung, feine, zarte Struktur, Saftigkeit und Feinfasrigkeit aus. Die gehobene Rindfleischküche mit ihren köstlichen Schmankerln hat es schon lange für sich entdeckt.

Spannende Abstammungstheorien

Als Stammvater unserer Hausrinder, zu denen auch die Murbodner gehören, gilt der Auerochse (auch „Ur" genannt), der in früherer Zeit in weiten Teilen Europas anzutreffen war. Bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. weideten Rinder im Gebiet des heutigen Österreich nicht nur in der Ebene, sondern auch oberhalb der Waldgrenze. Der Beginn der planmäßigen alpinen Weidewirtschaft geht auf das 7. Jahrhundert n. Chr. zurück. Seither erfuhr die Weidewirtschaft eine stete Weiterentwicklung.

Im Mittelalter, spätestens an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, führte der steigende Bedarf an Grund und Boden schließlich zur Entstehung ganzjährig bewohnter Siedlungen in höheren Gebieten. Wie in vielen anderen Gegenden waren auch in der Steiermark im 17. und 18. Jahrhundert auf zahlreichen Almen Rinder anzutreffen. Der Ursprung der Rasse Murbodner dürfte in dieser Gegend liegen, und zwar rund um Unzmarkt bis Kraubath.

­Woher die Murbodner Rinder genau abstammen, geht aus der Literatur nicht eindeutig hervor. Es könnte sich um eine Abspaltung einer gelben Variante aus den Mürztalern handeln. Auch die Entstehung aus einer Kreuzung von Mürztalern mit Mariahofern wäre möglich. Ebenso könnten wir es mit einer Kreuzung der keltisch-illyrischen Stammrasse mit Ennstaler Bergschecken und Mürztalern zu tun haben. Und nicht zuletzt existiert die Theorie, dass das Murbodner Rind auf das graue Slowenenrind und das keltisch-illyirische Vieh zurückzuführen ist. Diese Annahme gilt heute als plausibel.

Die Zuchtgrundlage für das Murbodner Rind bildete im 18. Jahrhundert schließlich das Mürztaler Rind. Dieses soll immer weiter in das Murtal vorgedrungen sein, wo es sich mit alten Bergschecken und Blondviehlandschlägen vermischte. Der neue Typus war frohwüchsig, gut bemuskelt und wurde als Dreinutzungsrasse für die Fleisch-, Milch-, und Arbeitsleistung gezüchtet. Von einer eigenständigen Murbodner Rasse ist jedoch erst um 1869 die Rede. Parallel dazu wurde das Vieh auch als steirische Landrasse offiziell anerkannt, man begrenzte aber auch die Rassen- und insbesondere Farbmerkmale, die bis heute noch Geltung haben.

Rasch erlangte das Murbodner Rind weit über sein Stammgebiet hinaus Bekanntheit: Schon bald fand es weite Verbreitung im Ostalpenraum und im Alpenvorland. In der Habsburgermonarchie war sein Fleisch vor allem des Geschmacks wegen äußerst beliebt und soll auch von Kaiser Franz Joseph sehr geschätzt worden sein. Die neu definierte Rasse verdrängte schließlich sogar das Mürztaler Rind, welches bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als eine der bekanntesten Rinderrassen galt, heute jedoch nicht mehr als selbstständige Rasse existiert.

Generhaltung und Rückzüchtung

Die Erfolgsgeschichte des Murbodner Rinds fand im 20. Jahrhundert nur bedingt eine Fortsetzung: Eine Viehzählung im Juni 1930 ermittelte einen noch wachsenden Bestand von insgesamt 134.000 Tieren auf österreichischem Gebiet. Mit zunehmender Industrialisierung und Spezialisierung der Landwirtschaft, vor allem in Richtung Milchproduktion, verschwand die Rinderrasse jedoch fast vollständig. Zum einen wurden keine Zugochsen mehr gebraucht, zum anderen konnten die Murbodner Rinder mit ihrer genetischen Veranlagung zur Fleischigkeit nicht mit der Forderung nach höheren Milchmengen mithalten.

Zur Verbesserung der Milchleistung wurde das Murbodner Rind deshalb nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Frankenvieh gekreuzt. 1964 fasste man die Rasse mit den ebenfalls seltenen Rassen Kärntner und Waldviertler Blondvieh zum sogenannten Gelbvieh zusammen. In den folgenden Jahren reduzierte sich der Bestand jedoch drastisch und Anfang der 1970er Jahre hielten nur noch ganz wenige Züchter das Murbodner.

Die Gelbviehgenossenschaft Steiermark, der spätere Murbodner Zuchtverband Steiermark, begann 1979 mit großem Engagement die planmäßige Erhaltung des Murbodner Rindes. 1982 startete die Gelbviehgenossenschaft mit Generhaltungsmaßnahmen, gefolgt von Rückzüchtungsaktivitäten. Die Rasse wurde in die Rote Liste der gefährdeten Haustierrassen in Österreich aufgenommen und ist seit 1995 im Rahmen des Österreichischen Programms zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) als hochgefährdet eingestuft.

Um auch gegenüber den Konsumenten exzellentes Rindfleisch klar erkennbar hervorzuheben, wurde im Jahr 2007 die Wortbildmarke „Land-beef – Österreichisches Rindfleisch für Genießer" eingeführt. Seit 2009 sind Spezialitäten vom Murbodner Ochsen als „Murbodner Landbeef" im Lebensmitteleinzelhandel erhältlich.

Robust, geduldig, intelligent

Der Bestand an Murbodner Rindern in Österreich betrug im Jahr 2009 wieder rund 3500 Tiere, davon ca. 2500 Muttertiere. Heute liegt der Schwerpunkt dieser Rasse in der Steiermark in der Gegend um Mürzzuschlag, Weiz, Wenigzell, Stanz im Mürztal, Gasen, Teichalm und Fladnitz a. d. Teichalm. Auch in Kärnten, in Niederösterreich und im angrenzenden Slowenien wird die Rasse heute gezüchtet. Da der Nationalpark Kalkalpen besonderen Wert auf die Erhaltung einheimischer, alter Haustierrassen legt, weiden seit einigen Jahren zahlreiche Murbodner auf der dortigen Blabergalm.

Aufgrund ihrer genetischen Ausstattung ist diese Gelbviehrasse hervorragend an die österreichische Berg- und Almenlandschaft angepasst. Ihr starkes Fundament prädestiniert sie besonders für die extensive Haltung auf Weiden und Almflächen. Im Winter in Stallungen, im Sommer auf Weiden und Almen gehalten, zeichnen sie sich generell durch Langlebigkeit, hohe Fruchtbarkeit, vorbildliches Weideverhalten und gute Futterverwertung sowie unkomplizierte Geburten aus. Sie gelten als robust, geduldig, fügsam und intelligent. Zudem werden ihre Widerstandskraft, die gute Mastfähigkeit und der rasche Fleischzuwachs besonders geschätzt. Auch für die Mutterkuhhaltung ist das Vieh bestens geeignet.

Das Fleisch vom Murbodner Ochsen ist von feiner, zarter Struktur, Saftigkeit und Feinfasrigkeit. Den hervorragenden Geschmack bringen feine Gerichte wie etwa Lungenbraten oder Beiried sowie Gustostücke wie Nuss, Schale, Tafelstück und Tafelspitz besonders gut zum Ausdruck. Und da das Fleisch des Murbodners saisonal nur zwei- bis dreimal im Jahr erhältlich ist, hat es sich zu einer gesuchten, raren Spezialität entwickelt.