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Tiroler Grauvieh

Das Tiroler Grauvieh zählt zu den ältesten Rinderrassen des Alpenraums. Die sehr robusten, meist silbrig- bis eisengrau gefärbten Hausrinder mit ihrem typischen roten Haarschopf haben sich über einen langen Zeitraum an die lokalen – zum Teil rauen – Gegebenheiten der hochalpinen Regionen Tirols gewöhnt. Heute ist reinrassiges Tiroler Grauvieh als seltene erhaltungswürdige Nutztierrasse in Österreich anerkannt und wird im Rahmen des österreichischen Generhaltungsprogramms gefördert.

Wie sich das „Torfrind" zum Tiroler Grauvieh entwickelte

Verschiedenen Funden zufolge wurde das Tiroler Oberland bereits tausende Jahre vor Christi Geburt von Völkern aus Südostasien besiedelt. Etwa um 1000 v. Chr. sollen diese ein einfarbiges Kurzhornrind mit nach Mitteleuropa gebracht haben. Dieses „Torfrind", das bos brachyceros, gilt als Urvorfahre des heutigen Tiroler Grauviehs. Bereits der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (um 23–79 n. Chr.) erwähnt die hohe Milchleistung dieser Alpenkühe. Später, während der Zeit der Völkerwanderungen im 1. Jahrhundert n. Chr., siedelten sich die Alemannen in Tirol an und brachten großrahmiges Vieh mit.

Der Ostgotenkönig Theoderich der Große (um 454–526 n. Chr.) verordnete schließlich per Erlass, dieses neue Rindvieh mit dem kleineren, bereits heimischen Tier zu kreuzen. Bedingt durch die Abgeschiedenheit der einzelnen Tiroler Bergtäler entwickelten sich nach und nach verschiedene lokale Schläge wie Oberinntaler, Lechtaler und Wipptaler

Um 1874/1875 ließ das damalige k. u. k Ackerbau-Ministerium die lokalen Rinderrassen der Alpenländer erstmals klassifizieren und ihren Nutzwert beschreiben. In der Folge gründeten örtliche Rinderbauern Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Viehzuchtgenossenschaften. Nach und nach begannen sie zwischen Braun- und Grauvieh genauer zu differenzieren, bis Anhänger des Tiroler Grauviehs schließlich 1908 eine eigene Grauviehgenossenschaft bildeten. Sie fürchteten um den Bestand des Grauviehs und sahen die Gefahr einer zu starken Vermischung mit anderen Rinderrassen. Im Zuge der organisierten Zucht führten sie die ursprünglichen Landschläge zum einheitlichen Tiroler Grauvieh zusammen.

Lange Zeit setzten die Bauern ihre Grauvieh-ochsen vorwiegend als kräftige Zug- und Arbeitstiere bei beschwerlicher Feldarbeit ein. Aber auch das Ochsenfleisch wurde als Besonderheit hoch geschätzt. Während des Ersten Weltkriegs verringerte sich der Grauviehbestand drastisch und die Rinderrasse war in der Folge vom Aussterben bedroht. Um dieser Gefährdung entgegenzutreten, gründeten die Gemeinden Fiss, Serfaus, Ladis und Fließ im Jahr 1922 die ersten Vereine zur Förderung des Grauviehs, die sich 1924 zum Tiroler Grauviehzuchtverband zusammenschlossen. Im Jahr 1933 wurde erstmals ein für alle Zuchtgebiete gültiges Zuchtziel festgelegt. 1993 erfolgte dann die Gründung der Initiative Qualitätsmarkenfleischprogramm „Angelus" exklusiv für Tiroler Grauvieh.

Mit viel Engagement und Mühe am Bergbauernhof aufgezogen

Heute nützen Tiroler Bergbauern das alte Hausrind als Mehrnutzungsrasse für Milch und Fleisch. Mehr als drei Viertel dieser Bauern gehören der Erschwerniszone 3 und 4 nach der Österreichischen Bergbauernverordnung an. Viele von ihnen wirtschaften nach biologischen Richtlinien. Aufgrund der landwirtschaftlich beschränkt nutzbaren Fläche halten die Bauern durchschnittlich nur vier Graurinder pro Hof.

Die Jungochsen werden mit etwa neun Monaten von der restlichen Herde abgetrennt. Die meisten von ihnen verbringen den Sommer auf der Alm, manchmal sogar zwei Saisonen. In der kalten Jahreszeit werden die Jungochsen in artgerechten Laufställen gehalten und mit hofeigenem Heu gefüttert. Die strengen Richtlinien der „Angelus“-Initiative verbieten die Verwendung von Milchaustauschfutter sowie verschiedenen Importfuttermitteln wie Soja oder Maissilage. Einzig während der Endmast ist es erlaubt, den Tieren eine Getreideschrotmischung zu füttern. Das garantiert die besondere Fleischqualität.

Das frische Fleisch des Tiroler Grauviehs ist – je nach Alter – kirsch- bis dunkelrot und zeigt eine regelmäßige Marmorierung. Erst nach einer zweiwöchigen Fleischreifung bildet es seinen kräftig-satten Geschmack, seine Saftigkeit und Zartheit aus. Dann zergeht es förmlich auf der Zunge.

Ein altes Hausrind mit internationaler Klasse

Entsprechend seiner Klassifikation gehört das Tiroler Grauvieh einer Untergruppe des Grauviehs, dem Grey Mountain, an. Davon leitet sich auch der internationale Zuchtname Tyrol Grey ab. Im Englischen wird es auch Tyrolese Grey Cattle oder Grey Alpine genannt.

Das einfarbige Fell des Tiroler Grauviehs erscheint silbrig- bis eisengrau, manchmal bräunlichgrau mit helleren und dunkleren Flecken. Die Haut ist schwarz. Charakteristisch sind neben seinem roten Haarschopf auch die schwarzen Hornspitzen und seine harten schwarzen Klauen. Das genügsame und robuste Rind zeichnet sich durch einen guten Futterinstinkt aus. Es ist langlebig, fruchtbar und von recht lebhaftem Wesen. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich das Tiroler Grauvieh an die extremen Wetterbedingungen und an die ausgeprägten Temperaturschwankungen gut gewöhnt.

Die Heimat des Tiroler Grauviehs

Das Hauptweidegebiet des Tiroler Grauviehs liegt in Nordtirol. Dort ist es vom Wipptal bis zur Region Oberes Gericht im Westen, einschließlich des Inntals und der südlichen Seitentäler des Inns, anzutreffen. Das Landschaftsbild Nordtirols wird von zahlreichen alpinen Almweiden mit steilen Abhängen geformt, die sich über fast die Hälfte der Landesfläche erstrecken. Die seltene Rinderrasse ist aber auch in Osttirol, zum Teil in anderen Bundesländern sowie in der Schweiz, in Südtirol und in Bayern anzutreffen.

Das Klima zwischen dem Wipptal und dem Oberen Gericht entspricht dem eines geschützten inneralpinen Raums. Im Sommer regnet es, je nach Region, unterschiedlich viel, während die Winter eher trocken und sehr kalt sind. Fröste und Eistage sind keine Seltenheit. Selbst im Hochsommer erreichen die Tagestemperaturen in einer Seehöhe von 1500 bis 2500 Meter oftmals nicht mehr als 8 °C – 19 °C. Bedingt durch die rauen Gegebenheiten sind die Vegetationsperioden sehr kurz. Je nach Tal- bzw. Höhenlage wächst auf den Tiroler Almweiden eine ganz unterschiedliche Alpenflora, oftmals finden sich geschützte wildwachsende Pflanzenraritäten. Die örtliche Artenvielfalt hängt von den jeweiligen Bodengegebenheiten, der Höhenlage und den kleinklimatischen Besonderheiten ab. Mit der über Generationen tradierten extensiven Viehhaltung sorgen die Tiroler Bauern bis heute dafür, die Natur dieser besonderen Berglandschaft für ihre Nachkommen zu pflegen und zu erhalten.