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Tux-Zillertaler Rind

Geschichte und Kulinarik in sich vereinend, präsentiert sich das Tux-Zillertaler Rind als eine der ältesten Rinderrassen Tirols. Aufgrund seiner Robustheit und ausgezeichneten Fleischqualität war es im 19. Jahrhundert äußerst begehrt und galt einst als dominante Rasse im Tiroler Unterland. Heute ist das Tux-Zillertaler Rind zu einer echten Rarität geworden. Sie sind als hoch gefährdet eingestuft, weshalb man sich jetzt wieder vermehrt der Rinder annimmt, um das Aussterben der Rasse zu verhindern. Einen wichtigen Beitrag dazu liefert ihre Förderung im Rahmen des Österreichischen Programms zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL).

Vom Tuxer und Zillertaler zum Tux-Zillertaler

Die Rassenbezeichnung Tux-Zillertaler Rind stammt erst vom Ende des 20. Jahrhunderts, ist also relativ neu. Zuvor wurde zwischen dem schwarzen Tuxer und dem braunroten Zillertaler unterschieden: zwei Rinderschläge, die aufgrund ihrer Farbdifferenzierung ehemals als eigenständige Rassen angesehen wurden.

Im Zillertal war einst nur der schwarz gefärbte Tuxer Schlag mit seiner typischen Weißfärbung im Lenden- und Schwanzbereich anzutreffen. Bedingt durch den Trend hin zu dunklen Rindern Anfang des 19. Jahrhunderts war der Schlag alsbald auch außerhalb Tirols anzutreffen. Bis nach Oberbayern und Südtirol gelangten die Tiere. Eine durch die internationale Zuchtausstellung in Paris 1856 ausgelöste neuerliche Trendwende bekam das Tuxer jedoch stark zu spüren. Die zuvor noch äußerst beliebten dunklen Rinder kamen plötzlich aus der Mode und wurden durch hellere Rassen, wie etwa Pinzgauer, Simmentaler, Montafoner und Oberinntaler Grauvieh, ersetzt. Zudem wurden dem schwarzen Tuxer rote Schläge, wie das Pinzgauer, eingekreuzt. Daraus entstand dann das braunrote Zillertaler Rind. Ende des 19. Jahrhunderts war das Tuxer bereits zu einer echten Seltenheit geworden und höchstens noch im Zillertal anzutreffen. Auch das Verbreitungsgebiet des neu entstandenen Zillertaler Rindes war stark begrenzt, es wurde vorwiegend in den Gegenden um Fügen und Zell im Zillertal gehalten.

Sowohl das Tuxer als auch das Zillertaler Rind besaßen beeindruckende gute Eigenschaften, die angeblich sogar die russischen Zaren erkannten. Sie ließen solche Rinder nach Russland bringen, wo diese Einfluss auf die Entstehung zahlreicher russischer Rinderrassen genommen haben sollen. Die ausgeprägte Ähnlichkeit sowie die nahe Verwandtschaft führten im 20. Jahrhundert schließlich dazu, dass das schwarze Tuxer und das rotbraune Zillertaler ab 1995 zu einer Rasse, dem Tux-Zillertaler Rind, zusammengefasst wurden.

Das Tux-Zillertaler Rind als Führer und Beschützer

Lange Zeit war das Tux-Zillertaler Rind vor allem aufgrund seiner Kampflust begehrt. Die Querfalte auf dem Nasenrücken, die insbesondere beim Zillertaler zu finden war, verlieh den Rindern schon rein äußerlich das Aussehen von Stieren. Zudem galt diese Falte als Zeichen großer Macht.

Gerade bei der Weidehaltung machte man sich die Stärke der Tux-Zillertaler Rinder zu Nutze. Oftmals hielten sich Bauern eine Tux-Zillertaler Kuh, um der restlichen Herde gute Weideplätze zu sichern und sie vor Angriffen anderer Rinder zu schützen. Tux-Zillertaler Rinder nahmen in der Herde stets eine Sonderstellung ein. Die Tiere galten als Einzelgänger und waren gegenüber anderen Rindern meist dominant. Etwa im Brixental war bis um 1925 die Haltung einer solchen „Glockkuh" üblich.

Eindeutigere Aufteilungen der Besitzverhältnisse auf den Almen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie bessere Fütterung der Tiere machten den Kampf um die besten Weideplätze hinfällig und das Tux-Zillertaler verschwand zunehmend von den Tiroler Almen. Der Zweite Weltkrieg und verschiedene Krankheiten ließen das Tux-Zillertaler beinahe aussterben. Mitte der 1970er Jahre hatte sich die Zahl der Tux-Zillertaler Rinder weltweit bereits auf 30 Stück dezimiert.

Zuwanderer oder Einheimischer?

Als Vorläufer des Tux-Zillertaler Rindes wird das aus der Schweiz stammende Eringer Rind gehandelt. Womöglich kam dieses bereits zur Römerzeit bekannte Rind mit Siedlern ins Tiroler Zillertal und vermischte sich mit dort heimischen Schlägen. Die zahlreichen Ähnlichkeiten des Eringer Rindes mit dem Tux-Zillertaler ließen diese Entstehungstheorie zumindest vermuten. Möglich wäre aber auch, dass die Übereinstimmungen in Aussehen und Verhalten beider Rinder reiner Zufall sind und die Tiroler Rasse das Ergebnis bodenständiger Rinderzucht ist.

Rettung in letzter Sekunde

Dem Engagement der Vereinigung der Tux-Zillertaler-Züchter, der Herdbuchführung sowie durchdachten Anpaarungsprogrammen ist es zu verdanken, dass die Rasse dennoch bis heute erhalten geblieben ist. Mittlerweile gilt der Rinderzuchtverband Tirol als verantwortliche Organisation für die österreichweite Betreuung der Tiere. Die Erhaltung der genetischen Vielfalt und damit der typischen Eigenschaften und des Aussehens des Tux-Zillertaler Rindes stehen dabei im Vordergrund. Bis auf ihre Farbe sind der Tuxer und der Zillertaler Schlag kaum voneinander zu unterscheiden. Sowohl das schwarz gefärbte Tuxer als auch das braunrote Zillertaler Rind zeigen eine gut bemuskelte, mittelrahmige Statur. Sie tragen eine charakteristische weiße Zeichnung in der Kreuzgegend, auch „Feder(l)" genannt, am Unterbauch bzw. Euter, an der Unterbrust sowie an der Schwanzspitze. Das Flotzmaul ist von einem braunen Ring umgeben, Hornspitzen und Klauen sind dunkel.

Neben ihrer hervorstechendsten Charaktereigenschaft, der Kampflust, sind Tux-Zillertaler Rinder zudem äußerst widerstandsfähig, vital, fit, genügsam und langlebig. Dank ihrer optimalen Anpassung an die in der Region vorherrschenden Bedingungen, ihrer guten Futterverwertung, der außerordentlichen Weidetauglichkeit sowie ihrer Eignung sowohl als Milchvieh als auch zur Mutterkuhhaltung erfreuen sich Tux-Zillertaler Rinder höchster Beliebtheit unter den Züchtern.

Viel Bewegung an der frischen Bergluft sowie saftige Wiesen tragen das Übrige dazu bei, dass das Tux-Zillertaler durch seine ausgezeichnete Fleischqualität mit besonderer Feinfasrigkeit und Saftigkeit punktet. Sein erhöhtes Muskelfett macht das Fleisch zudem ganz besonders zart und äußerst schmackhaft.