Nur wenn Sie die Standortermittlung aktivieren, werden die Produzenten und Spezialitätenerzeuger in Ihrer Nähe angezeigt. Andernfalls steht Ihnen die allgemeine Suchfunktion zur Verfügung.

Ungarisches Steppenrind

Auf den Weiden rund um den Neusiedler See grasen heute wieder die einzigartigen Ungarischen Steppenrinder. Umfangreiche Bemühungen des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel und die lange Erfahrung der regionalen Bauern haben die einst vom Aussterben bedrohte alte Nutztierrasse sowie die für die Gegend typische Form der Beweidung wieder heimisch werden lassen.

Das alte Hausrind mit den vielen Namen

Das Ungarisches Steppenrind oder Ungarisches Graurind ist auch bekannt als Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel Steppenrind. Auch die ungarischen Bezeichnungen Szilaj, Magyar szürkemarha und Magyar alföldi sind üblich. Sein Name lautet korrekterweise „Bos primigenius taurus Rasseschlüssel 53 UST".

Die ausgewachsenen Tiere haben ein silber- bis aschgraues Fell, durch das ihre dunkle Haut durchschimmert. Das Maul, die Augenumgebung, die Ohren, die Hornspitzen, die Klauen und sogar die Schwanzquaste sind schwarz gefärbt. Die beträchtlich langen Hörner sind elegant nach oben geschwungen, ähnlich einer antiken Lyra. Das Rind ist schlank, mittel- bis großrahmig gebaut und gilt als anspruchsloses, langlebiges Tier, das leicht kalbt. Es hat sich über lange Zeit an seinen Lebensraum optimal angepasst.

Wie das Graue Steppenrind kam und beinah wieder verschwand

Über Jahrhunderte prägte die Viehwirtschaft das Landschaftsbild der Region. Das Steppenrind war gemeinsam mit anderen Nutztieren im Burgenland lange Zeit die Lebensgrundlage für Land und Leute. Es kam wahrscheinlich im 9. Jahrhundert mit der Einwanderung der Magyaren, einem finno-ugrischen Volksstamm, aus dem Osten in das Ungarische Tiefland. Vom 14. bis ins 19. Jahrhundert soll es hier die bevorzugte Rinderasse gewesen sein, manche Quellen huldigen es sogar als das „Nationalrind Ungarns".

Das Fleisch des Ungarischen Steppenrindes schätzten die Menschen weit über seinen Lebensraum hinaus. Schon damals trieben Hirten große Wanderherden zu verschiedenen Schlachtviehmärkten in Österreich, Mähren, Deutschland und Italien. So wurden zwischen 1549 und 1551 rund 200.000 dieser Rinder nach Wien gebracht, 43.620 Rinder allein im Jahre 1650.

Bis ins frühe 20. Jahrhundert galten die robusten Hausrinder, vor allem die Ochsen, als zuverlässige Arbeitstiere und an vielen Orten weideten große Viehherden. Nach einer alten Bauernregel trieben die Hirten die Steppenrinder jeden Morgen zwischen Gregori (12. März) und Michaeli (29. September) gemeinsam mit anderen Hoftieren auf die dorfnahen, offenen Weideflächen. Diese traditionelle Form der Viehhaltung wurde bis nach dem Zweiten Weltkrieg gepflegt. Sie trug dazu bei, dass sich die äußerst artenreiche Steppenlandschaft und die Hutweide entwickeln konnten.

Doch Umstellungen in der Landwirtschaft und Viehzucht verdrängten die alte Rinderrasse nach und nach, bis es schließlich nur mehr sechs Stiere und 187 Kühe gab. Nach dem Niedergang der Viehwirtschaft in den 1970er Jahren teilten die Urbarialgemeinden weite Teile der gemeinschaftlichen Weide- und Wiesenflächen auf, die in der Folge als Ackerland oder Weingärten genutzt wurden. Die feucht-salzigen, unproduktiven Gegenden blieben sich selbst überlassen und begannen langsam zu verbuschen oder zu verschilfen.

Der feine Geschmack der Puszta

Heute ist das Fleisch dieser besonderen Rinderrasse das ganze Jahr über verfügbar. Die Bauern achten jedoch darauf, dass immer nur ein kleiner Bestand der Tiere geschlachtet wird. Meist sind das Tiere im Alter zwischen zweieinhalb und drei Jahren und mit einem Schlachtgewicht von rund 550 bis 700 Kilogramm. Die Schlachtung erfolgt möglichst stressarm, ohne lange Transportwege. Dafür sorgt die gute Zusammenarbeit mit lokalen Fleischereibetrieben.

Kenner beschreiben das Fleisch des Steppenrindes als besonders schmackhaft. Es ist leicht durchzogen, enthält wenig Fett und weist eine kurzfasrige, feste Konsistenz auf. Dies ist für Steppenrinder wärmerer Klimazonen typisch, denn bei ihnen erfolgt die Fettablagerung vor allem im Bereich der Bauchhöhle.

Die Vermarktung erfolgt gemeinsam mit regionalen Fleischereien. Die Palette der angebotenen Spezialitäten reicht vom Frischfleisch bis zu Nationalparkwürsteln, Graurinderwurst und Nationalparkschinken. Sie wird sowohl für private Feinschmecker als auch für die Gastronomie angeboten.

Die alte Hausrindrasse wurde gerettet

Mitte der 1980er Jahre drohten wertvolle Lebensräume durch Nicht-Nutzung verloren zu gehen. Seltene heimische Haustierrassen wie etwa das Graue Steppenrind, der europäische Weiße Esel, der Wasserbüffel, das Mangalitza- Schwein und das Przewalski-Pferd drohten auszusterben. Quasi in letzter Minute fanden sich das Nationalparkmanagement und örtliche Bauern zusammen, um gemeinsam im Sinne des Naturschutzes die einzigartigen Biotope und alten Tierrassen zu erhalten.

Die Nationalparkverwaltung ist ein registrierter Biobetrieb zur Viehhaltung mit wissenschaftlicher Begleitforschung. Auf den Weiden des Vorgeländes des Neusiedler Sees grasen heute wieder an die 500 Ungarische Steppenrinder, wie etwa im Gebiet um Sandeck-Neudegg, südlich der Gemeinden Apetlon und Illmitz oder im Bereich der Zitzmannsdorfer Wiesen. Nur in der kalten Jahreszeit, wenn auf den Wiesen kein Futter zu finden ist, wird den Rindern hofeigenes Bioheu zugefüttert.

Der Nationalpark, eine artenreiche Naturlandschaft

Das Steppenrind ist in einem Gebiet mit ganz besonderen landschaftlichen Gegebenheiten heimisch: im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel. Weite zusammenhängende Weideflächen sind hier ebenso charakteristisch wie der Neusiedler See mit seinem Schilfgürtel und seinen Lacken.

Gemeinsam mit dem ungarischen Fertö-Hanság Nemzeti Park bildet der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel heute ein etwa 300 Quadratkilometer großes, grenzüberschreitendes Naturschutzgebiet, das von der Weltschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature) anerkannt wurde. Seine außergewöhnliche Fauna und Flora zählen zum UNESCO Welterbe. Hier wachsen Pflanzenraritäten wie die Salzkresse, die pannonische Salz-Aster, der Queller, der Stengellose Tragant, der Österreichische Salbei und das Federgras.

Der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel wird von fünf besonderen Landschaftszügen umgrenzt: im Westen vom Leithagebirge, einem Ausläufer der Alpen, und im Norden von den großen Schotterterrassen der Parndorfer Platte, die vermutlich aus der eiszeitlichen Donau stammen. Im südöstlichen Teil dehnt sich bis weit in das ungarische Staatsgebiet die Niedermoorlandschaft des Waasen-Hanság aus. Im Osten hingegen erstreckt sich die Tiefebene des Seewinkels mit seinen vielen Lacken, ein in dieser Form in Europa einzigartiges Landschaftsschutzgebiet.

In der Kleinen Ungarischen Tiefebene liegt der Neusiedler See, einer der wenigen Steppenseen Europas. Auf Ungarisch heißt er Fertö tó, was übersetzt soviel wie Sumpf bedeutet.

Die wärmste Region Österreichs

Zu der unvergleichlichen Landschaft gesellt sich ein außergewöhnliches Klima. In der Gegend rund um den Seewinkel herrscht ein pannonisches, leicht kontinental geprägtes Klima vor. Die Temperaturen können im Jahresverlauf stark schwanken, meist sind die Sommer sehr heiß und die Winter empfindlich kalt. In unmittelbarer Nähe des Neusiedler Sees spürt man die Wirkung der großen Wasserflächen als Temperaturpuffer. Besonders in der Nacht, wenn der See auskühlt, gibt er Wärme und Luftfeuchtigkeit an die Umgebung ab. Er trägt zu einer langen Vegetationsperiode von rund 250 Tagen bei und schafft damit ideale landwirtschaftliche Voraussetzungen.