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Tiroler Bergschaf

Das Tiroler Bergschaf ist als relativ junge Rasse aus Kreuzungen von Bergamaskerschaf und verschiedenen bodenständigen Landschafrassen bzw. Schlägen, wie etwa dem Steinschaf, hervorgegangen. Die robuste, fruchtbare, alpintaugliche Rasse wird sowohl für die Almwirtschaft als auch zur Landschaftspflege eingesetzt und liefert nicht nur hochwertiges Fleisch, sondern auch feine Wolle. Sein zartes, würziges Fleisch wurde von der modernen Küche als besondere Spezialität wiederentdeckt. Die gefragte Delikatesse bringt köstliche Abwechslung in den kulinarischen Alltag und wird gerade bei ernährungsbewussten Genießern aufgrund des geringen Fettgehaltes sehr geschätzt.

Von der „Arme-Leute-Kuh"

Schafe zählen zu den ältesten Haustieren der Welt. Sie versorgen die Menschheit bereits seit der frühen Steinzeit mit Fleisch, Milch, Fell und Wolle. Tirol als Hochgebirgsland eignete sich seit jeher gut für die Schafhaltung. Dort finden seit dem 12. Jahrhundert sogenannte Schwaigen, eine Sonderform der intensiven Viehwirtschaft, häufig Erwähnung. Schwaighöfe als spezielle Siedlungs- und vor allem Wirtschaftsform im alpinen Raum wurden vielfach als Dauersiedlungsform von den Landesherren zum Zweck der Viehzucht selbst gegründet.

Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts herrschte auf den Tiroler Schwaighöfen die Schafzucht vor. Somit kann die Haltung der Schafherden auf den ausgedehnten Almen der gebirgigen Region auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken. Noch im ausgehenden Mittelalter war Lamm- und Hammelfleisch reichlich in der österreichischen Bergbauernküche zu finden. Bis zum 19. Jahrhundert ging jedoch die Schafzucht in Österreich weitgehend zurück: Das Schwein verdrängte immer mehr das – vielfach abwertend als „Arme-Leute-Kuh" betitelte – Schaf.

Die Entstehung des Tiroler Bergschafs geht auf die Zwischenkriegszeit im 20. Jahrhundert zurück. Es ist im Wesentlichen auf Kreuzungen des norditalienischen Bergamaskerschafes mit lokalen Rassen wie etwa dem Schnalser oder dem Bschlabser Schaf sowie verschiedenen Schlägen des Steinschafes zurückzuführen. Die daraus entstandenen Schafe wurden in der Abgeschiedenheit der Gebirgstäler Österreichs und der Schweiz weitergezüchtet. Zunächst gab es verschiedene Schläge, die man in den 1930er Jahren zusammenfasste und vereinheitlichte. Durch Selektion entwickelten sich die heutigen typischen Zuchtmerkmale des Tiroler Bergschafes. 1937 wurde schließlich mit der Reinzucht der Tiere begonnen und seit 1938 existiert eine Herdbuchführung. Bis etwa 1950 diente die Schafzucht hauptsächlich der Wollproduktion. Als jedoch Schafwolle durch den Einsatz von Baumwolle und Kunstfasern als textiler Rohstoff an Bedeutung verlor, trat in der Folge die Fleischproduktion vermehrt in den Vordergrund und das hellrosa-zartfasrige Lammfleisch wurde zu einer beliebten Delikatesse.

Zartes Fleisch und feine Wolle

Auf den Gebirgsweiden steht den Tieren eine Vielzahl aromatischer Kräuter und Pflanzen zur Verfügung. Diese verleihen dem Fleisch ein ganz besonderes Aroma und hervorragenden Geschmack. Die Bergschafe liefern aber nicht nur köstliches, zartes Fleisch, auch ihre Wolle ist äußerst begehrt. Gezüchtet wird das Tiroler Bergschaf reinweiß. Das Vlies darf keinerlei Pigmente aufweisen. Es besteht idealerweise aus schlichter bis gewellter Wolle von mittlerer Feinheit. Um den jährlichen Wollertrag von drei bis fünf Kilogramm bei Widdern und zweieinhalb bis vier Kilogramm bei weiblichen Schafen zu sichern, erfolgt die Schur zweimal jährlich.

Zu den mit dem Tiroler Bergschaf verwandten Rassen zählen das Braune, das Weiße und das Schwarze Bergschaf sowie das Fuchsfarbene Engadinerschaf. Die weißen Tiroler Bergschafe dürfen nicht mit den Weißen Bergschafen verwechselt werden: Erstere erscheinen nicht nur wesentlich größer und rahmiger, sondern sie besitzen auch eine etwas feinere Wolle.

Stämmig, gebirgstauglich und fruchtbar

Heute gilt das Tiroler Bergschaf als die verbreitetste Schafrasse Österreichs. Vor allem in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und der Steiermark ist es häufig anzutreffen. Außerhalb von Österreich ist es zudem in Deutschland, der Schweiz sowie in Südtirol zu finden. Das Tiroler Bergschaf ist ein stämmiges, mittelgroßes bis großes Tier. Ein tiefer Rumpf, ein langer, gerader Rücken, kompakte Schultern, ein leicht fallendes Becken, kräftige Beine und harte Klauen charakterisieren sein Erscheinungsbild. Sein schmaler, auf der Stirn bewollter, hornloser Kopf weist eine typisch vorgewölbte Nasenpartie und lange, breite Hängeohren auf.

Die Rasse gilt als anpassungsfähig, robust und genügsam. Durch ihre Steig- und Trittsicherheit sowie Widerstandsfähigkeit ist sie besonders für die Beweidung von Alpflächen prädestiniert. Sie gilt daher als idealer „Landschaftspfleger“ der Tiroler Almen. Ein wesentliches Merkmal stellt die hohe Fruchtbarkeit der Mutterschafe mit einem Wurf von durchschnittlich zwei bis zweieinhalb Lämmern jährlich dar. Die weiblichen Tiere weisen ausgeprägte Mutterinstinkte auf sowie gute Eutergesundheit und ausreichende Säugeleistung. Die Schafe werden in Herden unterschiedlicher Größe gehalten, wobei der Durchschnitt bei 20 Muttertieren liegt. Den Winter verbringen sie in Aufstallungen, im Sommer leben sie meist drei bis vier Monate auf der Alm.

Tiroler Steinschaf

Als älteste Schafrasse der Region ist das Tiroler Steinschaf noch heute in alpinen Gegenden zu finden. Seine Ursprünge gehen auf das ausgestorbene Zaupelschaf und auf bodenständige, besonders gebirgstaugliche Landschläge zurück. Nahezu alle Bauernhöfe hielten einst zur Selbstversorgung kleine Steinschafherden; selbst in den entlegensten Bergtälern. Im Zillertal wurden die Tiere früher auch als Graue Schafe, im Ötztal wohl wegen der grau-blautönigen Farbe auch als Blobe Schafe bezeichnet (blobe ist tirolerisch für blau). In den Jahren ab 1930 begann in Tirol jedoch die Verdrängung der heute als gefährdet geltenden Rasse. Um sie zu schützen, starteten um 1974 der Aufbau einer Zuchtorganisation und die herdbuchmäßige Betreuung.

Das Tiroler Steinschaf zeichnet sich durch lebhaftes Temperament, Genügsamkeit und hohe Vitalität aus. Bedingt durch seine Trittsicherheit, Widerstands- und Anpassungsfähigkeit ist es für die Haltung in extremen, für Rinder unzugänglichen Hochgebirgszonen optimal geeignet. Die robusten, mittelgroßen bis großen, hageren, überwiegend silber- bis anthrazitgrauen, selten weißen Tiere leben heute fast über ganz Tirol verbreitet. Die Hauptzuchtgebiete liegen im Tuxer- und im Zillertal, am Weerberg, in Osttirol im Ötz-, Oberinn- und Brixental sowie in der Wildschönau. Züchter finden sich aber auch in Salzburg, der Steiermark, Nieder- und Oberösterreich sowie in Bayern.