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Steirischer Kronprinz Rudolf

Durch Zufall in der Oststeiermark entdeckt, ist der kleine, rotbäckige und sehr saftige Steirische Kronprinz Rudolf heute aus der Region nicht mehr wegzudenken und gilt als Liebhabersorte unter den vielen Apfelsorten. Zahlreiche Anpflanzungsversuche außerhalb der Steiermark waren zum Scheitern verurteilt, denn diese typisch steirische Sorte hat außergewöhnlich hohe Standortansprüche. Doch trotz seines begrenzten Anbaugebietes ist dieser Apfel, die übrigens als älteste steirische Lokalsorte gilt, bereits bis weit über die Grenzen der Steiermark bekannt. 

Einzigartiger Geschmack und traditionelle Verwendung

Der Steirische Kronprinz Rudolf ist ein typischer Winterapfel und botanisch gesehen eine der zahlreichen Sorten des Kulturapfels (Malus domestica). Besonders gut gedeihen die Früchte auf Standorten mit kräftigen Böden und in freien Lagen auf mittlerer Höhenlage, wie sie in der Steiermark häufig anzutreffen sind. Sein Anbau ist auch für raue Lagen bestens geeignet. So finden sich in der Region vereinzelt sogar Bäume auf über 1300 Meter Seehöhe. Jedes zweite Jahr bringen die Bäume besonders hohe Erträge.

Die eher kleine bis mittelgroße Apfelfrucht besitzt eine leicht abgeflachte und gleichmäßige runde Form und einen kurzen, festen Stiel. Sie ist zwar schorfanfällig, aber windfest. Die glänzende Schale des Kronprinzers besitzt eine gelbgrüne bis grünlich weiße Grundfarbe, nur jene Seite, die der Sonne zugewandt ist, weist eine intensiv leuchtend rote Farbe auf. Sein weißes, zartes Fruchtfleisch mit mittelfester Konsistenz, sein erfrischender, süß-säuerlicher, sehr saftiger Geschmack und sein würziges Aroma machen den Kronprinz zu einer der beliebtesten Apfelsorten.

Die Ernte erfolgt, je nach Witterung, relativ spät zwischen September und Oktober. Danach kann der Apfel, optimale Bedingungen vorausgesetzt, bis April eingelagert werden, ohne wesentliche Qualitätsverluste zu erleiden. Genau genommen entwickelt der Kronprinz als typischer Winterapfel erst durch eine entsprechende Lagerung seine optimale Genussreife.

Ein „Zufallssämling" von großer Bedeutung

Der Steirische Kronprinz Rudolf, auch kurz als Kronprinz oder Kronprinzer bekannt, ist keine gezüchtete Apfelsorte, sondern ein sogenannter Zufallssämling. Seine Herkunft ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt und auch um seine Entdeckung in der Steiermark ranken sich einige Geschichten. Vermutlich war es aber ein gewisser Johann Klöckner, Rauchfangkehrermeister und seines Zeichens begeisterter Hobby-Obstzüchter aus Wolfgruben bei Gleisdorf in der Steiermark, der um 1860 den Kronprinz Rudolf durch Zufall in seinem Obstgarten entdeckte.

Seinen ersten großen öffentlichen Auftritt vor internationalem Publikum hatte der Apfel im Jahr 1873. Anlässlich der Wiener Weltausstellung wurde er in der Sammlung steirischer Obstsorten präsentiert, und das mit vollem Erfolg! Die prachtvoll gefärbten Früchte fielen dort sofort auf und stießen auf große Begeisterung.

Auch in wissenschaftlichen Kreisen war das Interesse an dieser Sortenrarität rasch geweckt. Der Pomologe Rudolf Stoll veröffentlichte bereits 1881 in der Zeitschrift „Der Obstgarten" eine erste wissenschaftliche Sortenbeschreibung des Steirischen Kronprinz Rudolfs. Auch Wilhelm Lauche, welcher noch heute als einer der bedeutendsten Pomologen des 19. Jahrhunderts gilt, befasste sich mit der Apfelsorte und trug dadurch wesentlich zum heutigen hohen Bekanntheitsgrad des „Steirers“ bei.

Apfelbrand mit geschützter Herkunftsbezeichnung

Aber nicht nur als Tafelobst ist diese Apfelsorte hochgeschätzt. Auch in Form von Most oder zu Süßspeisen verarbeitet erfreut sie sich großer Beliebtheit. Als ganz besondere Spezialität gilt der aus ihr hergestellte Apfelbrand. Die Bezeichnung „Steirischer Kronprinz Rudolf" darf laut Österreichischem Lebensmittelbuch nur jener Apfelbrand tragen, der zu 100 Prozent aus der Steiermark kommt. Das bedeutet, dass sowohl der Rohstoff aus der Region kommen muss als auch Destillation, Abfüllung und Etikettierung ausschließlich im Bundesland Steiermark durchgeführt werden müssen. Der Kronprinz Rudolf verleiht dem hochprozentigen Destillat, das einen Alkoholgehalt von mindestens 42 Volumenprozent aufweisen muss, ein besonders feines, aromatisches und prägnantes Aroma.

Ein Denkmal für einen Habsburger

Es war die Zeit der habsburgischen Doppelmonarchie, als die Apfelsorte erstmals von sich reden machte. Kaiserin Elisabeth hatte bereits einen Knaben zur Welt gebracht und in diesen einzigen Sohn und Thronfolger Kaiser Franz Josephs I. von Österreich-Ungarn wurden große Hoffnungen für die Zukunft und den Fortbestand der Dynastie gesetzt. Um den Thronfolger auch gebührend zu ehren, wurde ihm ein ganz besonderes Denkmal gesetzt: Die neu entdeckte Apfelsorte erhielt den Namen „Steirischer Kronprinz Rudolf“.

Optimale Vorraussetzung auf steirischem Boden

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden erste gezielte Anbauversuche des Kronprinzen in ganz Österreich unternommen. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aufgrund der mangelnden Fruchtqualität und der schlechten Entwicklung der Bäume aus, mit Ausnahme der steirischen Obstbaugebiete. Ausschließlich das in dieser Region vorherrschende Klima in Kombination mit der besonderen Bodenbeschaffenheit schien den Ansprüchen dieser sensiblen Sorte zu genügen. Die steirischen Bäume brachten rasch so hohe Erträge, dass der Kronprinz sogar bis auf den Wiener Markt geliefert werden konnte.

Seinen hohen Standortansprüchen ist es zu verdanken, dass der Steirische Kronprinz Rudolf noch heute als eine der letzten bodenständigen, lokal begrenzten Apfelsorten gilt.

Seine traditionell auf Streuobstwiesen wachsenden kräftigen Bäume mit ihren markanten, hochgehenden Kronen prägen das Bild der bäuerlichen Kulturlandschaft und bieten zudem wertvolle ökologische Lebensräume für zahlreiche Tierarten.